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Das ist die Insel "Hans" um die der Whisky-Krieg zwischen Dänemark und Kanada tobt. (Foto: Toubletap)
Dette og det

Seit 1984 – Der Krieg zwischen Dänemark und Kanada

Befinden sich Dänemark und Kanada miteinander tatsächlich im Krieg? Eigentlich oder eher gesagt natürlich nicht. Aber dann doch irgendwie ein klitzekleines bisschen. Und so ungewöhnlich, wie der Kriegsschauplatz ist, so ungewöhnlich sind auch der Grund und die Wahl der Waffen. Gekämpft wird im Wesentlichen mit Alkohol. Vor allem mit jeweils landestypischen Schnaps oder anderen Spirituosen. Worum geht es?

Der Kriegsschauplatz

Es geht ganz konkret um die Insel “Hans“ auf 80° 49′ 35″ N, 66° 27′ 12″ W. Wikipedia beschreibt Hans als „eine kleine, unbewohnte und vegetationslose Insel von etwa 1,25 km² Größe“. Diese Insel ist nichts anderes als ein winziger, nackter und eigentlich vollkommen wertloser Fels im Meer. Wertlos, weil es dort nach bisherigen Erkenntnissen auch keine Bodenschätze oder andere wirtschaftlich verwertbaren Ressourcen gibt.


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Warum heißt Hans eigentlich Hans? Die Insel wurde nach dem grönländischen – also im Prinzip dänischen – Expeditionsteilnehmer Hans Hendrik benannt. Der nahm zwischen den Jahren 1853 und 1883 an fünf Arktisexpeditionen teil und dabei wurde wohl auch dieser Felsen besucht und erforscht. Heute ist umstritten, ob damals bei der Namensgebung wirklich dieses Inselchen gemeint war, oder sogar eine noch kleinere Nebeninsel. Aber schnell bürgerte sich der Name Hans eben für genau diese Insel ein.

Der Kriegsgrund

Aber warum streiten sich dann Dänemark und Kanada um diese Insel, diesen nutzlosen Felsbrocken im Meer? Wie wird dieser „Krieg“ begründet? Nun es ist gewissermaßen ein Grenzkonflikt. Ein Grenzkonflikt? Durchaus, denn die Insel Hans liegt genau in der Mitte des „Kennedy Kanals“, der wiederum ein Teil der „Nares Straße“ ist. Die eine Seite des Kennedy Kanals grenzt an Kanada und die andere Seite an Grönland und damit an Dänemark, denn Grönland ist ein autonomer Teil des dänischen Staates.

Diese Karte zeigt das Problem. Hans liegt genau auf der Grenze! (Quelle: Wikipedia/Twthmoses)
Diese Karte zeigt das Problem. Hans liegt genau auf der Grenze! (Quelle: Wikipedia/Twthmoses)

Wenn ein Stück Land, also beispielsweise eine Insel, die 12-Meilenzone eines Landes berührt, darf dieses Land dieses Territorium für sich beanspruchen. Dieser Kennedy-Kanal aber ist so schmal, dass die Insel Hans durch ihre geografische Lage genau in dessen Mitte tatsächlich beide 12-Meilen-Zonen berührt. Eben die von Dänemark und die von Kanada. Und beide Länder wollen den Anspruch auf diesen nutzlosen Felsen im Wasser nicht aufgeben. Man könnte also sagen, die Staatsgrenze zwischen Kanada und Dänemark läuft durch Hans‘ens Mitte.

Man könnte dort quasi mit roter Farbe eine Grenze quer über den Felsen pinseln, damit eine offizielle Landesgrenze schaffen und das Thema wäre damit doch erledigt. Ist es aber nicht, denn sowohl die Dänen als auch die Kanadier beanspruchen jeweils „ganz Hans“ für sich. Kanada tut das seit etwa 1880, Dänemark seit 1920, als es ganz Grönland als Staatsgebiet beanspruchte. Dieser dänische Anspruch wurde auch vom Vereinigten Königreich, zu dem auch Kanada gehört, auch im Namen Kanadas anerkannt.

Der Kriegsauslöser

Lange war die Insel und der wechselseitige Gebietsanspruch überhaupt kein Thema. Nicht zuletzt der zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit sorgten wahrhaft für andere Prioritäten. Und so geriet Hans quasi in Vergessenheit. Alle paar Jahre trieben sich mal ein paar Forscher auf dem Felsen herum, aber territorialen Zwist gab es keinen.


Dann, im Jahr 1953; baute der Kanadier Eric Fry auf der Insel Hans ein Inuksuk auf. Das ist eine grobe Steinskulptur, die einen Menschen darstellt. Mit diesem Akt beanspruchte er die Insel offiziell für Kanada. Doch das löste immer noch nicht den heutigen Grenzkonflikt aus. Das begann erst 1973. In diesem Jahr wurden internationale Seegrenzen neu gezogen und jetzt auf einmal bemerkten beide Länder erst so richtig die Lage der Insel. Und so wurde man sich einig, das man sich nicht einig wurde, welches Land den Anspruch auf dieses Gebiet, oder eher „Gebietchen“ hat. Hier aber eskalierte die Situation trotzdem immer noch nicht. Das geschah erst 1984.

Die Kriegstaktik und die Wahl der Waffen

In diesem Jahr 1984 besuchte der dänische Grönlandminister Tom Høyem nicht nur Grönland sondern eben auch das Inselchen namens Hans. Und dort stellte er dann eine dänische Flagge auf. An deren Mast befestigte er ein Schild mit der Aufschrift „Willkommen in Dänemark“. Und am Fuß des Mastes hinterließ er zudem hochprozentige Grüße in Form einer Flasche dänischen Schnapses. Es solch sich um einen Brandy gehandelt haben. Aber auch von Aalborg Akvavit wird gemunkelt.

Das sorgte bei den Kanadiern für reichlich Unmut. Irgendwann besuchte dann eine kanadische Delegation die Insel, tauschte die dänische gegen eine kanadische Flagge aus. Die Flasche mit dem dänischen Schnaps wurde „sichergestellt“ und durch eine Flasche mit einer kanadischen Spirituose wohl in der Gestalt eines kanadischen Whiskys als Gegengruß – oder Gegenschlag? – ersetzt.

Es gibt allerdings auch Berichte, nach denen vor Tom Høyem bereits kanadische Soldaten als erstes auf der Insel Flagge und Flasche deponiert oder vielleicht auch dekoriert haben sollen und der dänische Politiker habe damit als Reaktion darauf die promillehaltigen Gegenmaßnahmen ergriff. Es ist also umstritten, wer genau den Whisky Krieg begonnen hat.


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Und genau so tobt dieser Krieg seit dem. Die Insel wird jeweils wechselseitig von Dänen und Kanadiern besucht und dann werden Flaggen und Alkoholika ausgetauscht. Deshalb hat sich für diese hochprozentige Art der Kriegsführung auch der Begriff „Whisky-Krieg“ etabliert.

Friedensverhandlung scheitern mehrfach

Seit dem bemühten sich beide Länder immer wieder mal sporadisch, sich in Sachen Hans zu einigen und den Konflikt beizulegen. Bislang vergeblich. Die Flaggen und die Flaschen Hochprozentiges wurden in immer kürzeren Abständen ausgetauscht. Das taten dabei dann auch immer ranghöhere Vertreter beider Länder. So mancher vermutlich mit einem Pressetross im Schlepptau, um damit mal wieder in die Zeitung zu kommen?

Der erste Einigungsversuch erfolgte 2005. Der dänische Außenminister Per Stig Møller und sein kanadischer Amzskollege Pierre Pettigrew wollten die Fehde beenden. Doch verschiedene Argumente wie die Bedeutung der Insel für die Schifffahrt – wenn der Kennedy Kanal durch den Klimawandel in Zukunft irgendwann einmal tatsächlich von großen Frachtschiffen befahren werden könnte – oder eventuell unter dem Felsen ruhende aber bislang unentdeckte Bodenschätze vereitelten eine Einigung.


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Immerhin bauten Dänemark und Kanada im Jahr 2008 gemeinsam eine vollautomatische Wetterstation auf der Insel auf. Wenn man will kann man also kooperieren. Doch man wollte scheinbar nur in Sachen Meteorologie. Im Jahr 2012 flammte der Streit erneut auf, da sich beide Länder bei der erneuten Festlegung und Ziehung der Seegrenzen mal wieder in Sachen Hans nicht einig wurden. Im Jahr 2015 schlugen ein kanadischer Jurist und ein dänischer Wissenschaftler gemeinsam vor, das beide Länder die Insel als sogenannten Kondominium unter eine gemeinsame Verwaltung stellen sollten. Daraus wurde nichts. Auch aus der Absicht beider Länder im Jahre 2018, das Thema doch ein für alle mal zu klären, wurde nichts.

Spätestens seit 2019, als Kanada eine Lizenz zur Suche nach Rohstoffen auf der Insel erteilte und Dänemark gegen diesen Akt protestierte, wurde klar, dass die Fronten wohl verhärtet sind und der „Krieg“ um den nutzlosen kleine Felsen im Meer namens Hans damit vorerst weitergehen wird. Und so wehen vorerst weitere wechselnde Flaggen im Wind und der Schnaps weht dann vermutlich in Form einer anderen Fahne.

Whisky Peace gefordert

Vorerst! Denn es tut sich etwas. Die Marketing-Strategen der Stauning Whisky-Destille am Ringkøbing-Fjord haben sich jüngst eine witzige Idee einfallen lassen, um diesen ehrlich gesagt kleinkarierten Krieg zu thematisieren. Da es ja einen Whisky-Krieg gibt, fordern sie den „Whisky Peace“, den Whisky-Frieden. Anstatt das hier jetzt lang und breit zu erklären, lassen wir die Jungs von Stauning doch selbst zu Wort kommen.

Ob die Macher von Stauning WIRKLICH die Produktion und den Vertrieb ihres hervorragenden Whiskys einstellen, um damit diese Friedensverhandlungen zu erzwingen? Wir werden sehen. Apropos sehen, wenn Du am Ringkøbing-Fjord bist, solltest Du Stauning besichtigen. Die Führung durch den Betrieb ist sehr interressant und sehenswert.

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