Die im Jahr 2018 eröffneten neuen Brennerei-Hallen fügen sich dank einer typisch dänischen Architektur wunderbar in die malerische Landschaft ein (Foto: Andreas Lerg)
Dette og det

Erfolgreiche Schnapsidee – Stauning Whisky am Ringkøbing Fjord

Wer das Wort Whisky hört, der denkt sofort an Schottland oder Irland, vielleicht noch an Bourbon aus den USA, aber kaum an Dänemark. Doch das ist ein Fehler, denn an der dänischen Westküste am Ringkøbing Fjord findet man in der Gemeinde Skjern die Whisky-Brennerei Stauning. Die Brennerei, die im Jahr 2018 mit dem Neubau einer modernen Betriebsstätte erweitert wurde, können Besucher besichtigen und die Produktion vor Ort erleben. Wir haben genau das am 28. Juni diesen Jahres getan und waren begeistert.

Die neuen Gebäude sind in einer klaren Designsprache mit gerade Linien und markanten Winkeln angelegt. Die Fassade besteht aus schwarzen gebrannten Holzpaneelen, Glas und schwarzen Metall. (Foto: Andreas Lerg)
Die neuen Gebäude sind in einer klaren Designsprache mit gerade Linien und markanten Winkeln angelegt. Die Fassade besteht aus schwarzen gebrannten Holzpaneelen, Glas und schwarzen Metall. (Foto: Andreas Lerg)

Die Schnapsidee aus einer Bierlaune heraus

Neun Freunde – ein Arzt, ein Schlachter, ein Lehrer, ein Hubschrauberpilot und vier Ingenieuren – haben aus einer Bierlaune heraus im Jahre 2005 die Destille gegründet. Nur wenige Jahre danach hat die kleine Brennerei begonnen, zunächst Dänemark und dann die Welt zu erobern. Das mag zunächst übertrieben klingen, aber die ersten im Jahr 2011 kommerziell abgefüllten Whiskys stießen sofort auf ein sehr positives Echo. Whisky-Papst Jim Murray sagte, nachdem er den ersten Whisky der Stauning-Truppe gekostet hatte: „Was in aller Welt ist das denn? Whisky-Liebhaber würden ihre Mutter umbringen, um an eine Flasche davon zu kommen. Dies könnte möglicherweise einer der besten getorften Whisky weltweit werden.“

Und so sprach sich herum, was da am Ringkøbing Fjord Leckeres gebrannt und abgefüllt wurde. René Redzepi, Küchenchef und Mitbesitzer des weltbekannten Restaurants Noma in Kopenhagen, setzte den Whisky auf seine Menükarte. Er war wohl der erste Gastronom, aber blieb nicht der einzige. Der Whisky der dänischen Westküste gewann seit dem auch zahlreiche renommierte Preise und Auszeichnungen. 

2005 ging es in einer ehemaligen Metzgerei los

Mit dieser aller ersten kleinen Brennblase fing 2005 alles an. (Foto: Andreas Lerg)
Mit dieser aller ersten kleinen Brennblase fing 2005 alles an. (Foto: Andreas Lerg)

Aus der Schnapsidee wurde im Jahr 2005 Ernst, als die neun Freunde in einer ehemaligen Metzgerei loslegten. Dort heizten sie der ersten kleine Destille ein, die sie sich bauen ließen. Dort begannen die Gründer, die alle keine gelernten Whiskybrenner waren, zu experimentieren und das Whiskymachen zu erlernen. Sie bauten eigene Apparaturen, entwickelten eigene Methoden und Verfahren, denen Sie bis heute treu geblieben sind.

Vor allem das „Floormalting“, das Mälzen von Gerste und Roggen, beides wird von Bauern der Region bezogen, auf dem Boden. Die Getreidekörner werden auf dem Boden der Mälzerei-Halle ausgebreitet, befeuchtet und von einer selbst entwickelten Maschine regelmäßig bewegt und gewendet. Diese Methode ist eher primitiv, aber entspricht der ursprünglichen Vorgehensweise, die in den frühen Tagen der Whisky-Herstellung in den meisten Destillen zum Einsatz kam. Nur das die Getreidekörner einst mit Muskelkraft und Schaufeln gewendet wurden. Wo Großbrennereien heute mit großen Trommelanlagen arbeiten, entschieden sich die Gründer von Stauning Whisky, selbst beim Neubau ihrer Produktion bei diesem traditionellen „Bodenmalz-Verfahren“ zu bleiben. Damit hatten sie begonnen, damit hatten sie gute Erfahrungen gemacht.

Zuerst muss die Gerste oder der Roggen keimen, damit Zucker entsteht. Stauning keimt auf einem offenen Malz-Boden. Eine Maschine wendet die befeuchteten Körner regelmäßig. (Foto: Andreas Lerg)
Zuerst muss die Gerste oder der Roggen keimen, damit Zucker entsteht. Stauning keimt auf einem offenen Malz-Boden. Eine Maschine wendet die befeuchteten Körner regelmäßig. (Foto: Andreas Lerg)

Viele kleine Pot Stills statt ein oder zwei XL-Brennanlagen

Beim Darren, also dem Trocknen des gekeimten Getreides wird in einem Ofen Torf und Heidekraut verbrannt und der Rauch in die Trockungskammern geleitet. Dadurch entsteht das Raucharoma. (Foto: Andreas Lerg)
Beim Darren, also dem Trocknen des gekeimten Getreides wird in einem Ofen Torf und Heidekraut verbrannt und der Rauch in die Trockungskammern geleitet. Dadurch entsteht das Raucharoma. (Foto: Andreas Lerg)

Es wird deutlich, die Dänen machen bei ihrer Whisky-Produktion vieles anders, als die gängigen Brennereien aus Schottland und Irland. Destilliert wird nicht etwa in wenigen großen Destillieranlagen, die ein entsprechend hohes Volumen liefern. Nein, zum Einsatz kommen stattdessen 24 kleine Kupferbrennblasen, Pot-Stills genannt. Die neun Freunde hatten mit einer kleinen Destille angefangen und diese sorgte für den typischen Geschmack und Charakter des Stauning Whiskys.

Genau dieser Geschmack und Charakter wäre in riesigen Destillieranlagen verloren gegangen. Deshalb blieb das Team im Neubau bei der Philosophie mit den kleinen Pot-Stills. Die werden zudem nicht, wie oft üblich mit Dampf, sondern direkt mit Gas erhitzt. Damit weichen die Dänen von dem in zahlreichen Großbrennereien genutzten Verfahren abermals bewusst ab.

In den Maisachbottichen gärt die Maische und entwickelt aus dem Zucker den ersten Alkohol. (Foto: Andreas Lerg)
In den Maisachbottichen gärt die Maische und entwickelt aus dem Zucker den ersten Alkohol. (Foto: Andreas Lerg)

Nordisch-dänische Architektur statt funktionalem Industriebau

Nachdem die Metzgerei im Dörfchen Skjern schnell zu klein wurde, kauften die Stauning-Gründer einen Bauernhof außerhalb der Gemeinde und begannen dort mit der kommerziellen Produktion. Mit der steigenden Popularität des Whiskys wurde bald klar, dass sie mit dem, was sie in den alten Stallungen aufgebaut hatten, die steigende Nachfrage nicht mehr würde bedienen können. Pläne zum Ausbau der Produktion am bestehenden Standort entstanden und wurde umgesetzt.

Beim Neubau der Produktionshallen schlugen die Stauninger einen typisch dänischen Weg ein. Statt eine nüchtern-funktionale und hässliche Industriehalle in die Landschaft zu stellen, bauten sie ein architektonisches Schmuckstück auf die Wiese neben den Bauernhof. Der neue Trakt greift den Baustil der Region auf. Mit einer klaren Designsprache mit geraden Linien, deutlichen Winkeln und einer Fassade aus schwarzen gebrannten Holzpaneelen, Glas und schwarzem Metall entstanden die neuen Gebäude, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Im Jahr 2018 ging die neue Produktion in Betrieb und die alte in den Stallungen des Bauernhofes wurden in ein Besucherzentrum mit Shop umgewandelt. 

Klasse statt Masse

Die Produktionskapazität wurde mit der neu gebauten Brennerei verzehnfacht. Dennoch bleibt Stauning eher eine kleine Brennerei und wurde kein Großbetrieb, der vor allem auf Masse macht. Nach wie vor sind beste Whiskys das Ziel, die die Stauninger auf ihre eigene und dänische Art und Weise brennen. Mit den 24 kleinen Pot-Stills, die mit direktem Gasfeuer beheizt werden. Mit dem traditionellen Bodenmalzverfahren. Das in schicke Flaschen gefüllte Ergebnis darf man sich etwas kosten lassen, denn der günstigste Whisky beginnt bei 60 Euro.

Neben den drei nach Single-Malt-Regeln ausgebauten Whiskys Stauning Rye Whisky, Stauning KAOS Triple malt und Stauning Smoke Single Malt bietet die Brennerei weitere Produkte an. Stauning Curious ist ein nicht weiter gereifter Roh-Whisky, der sich vor allem an Barkeeper zum Mixen von Cocktails richtet. Der Stauning Bastard ist ein Whisky, der in mexikanischen Oro de Oaxaca-Fässern, sprich in Mezcal-Fässern verfeinert wird. Und der Stauning El Clásico ist ein Roggen-Whisky, der zusätzlich in Wermutfässern zur Reife gebracht wird.

Das Erlebnis vor Ort

Wer in der Region des Ringkøbing Fjords Urlaub macht, sollte sich unbedingt einen halben Tag Zeit nehmen, die Stauning Brennerei besichtigen und die Produktion vor Ort mit allen Sinnen erleben. Die netten und motivierten Tourguides bieten die Führungen in Dänisch, Englisch und Deutsch an. Der Besucher erfährt Wissenswertes über die Entstehung von der Schnapsidee bis zur heutigen Produktion. Er erkennt die Philosophie, die hinter der Produktion steht. Er schmeckt die süßlich frisch gekeimte Gerste in der Bodenmalz-Halle, wenn er dort ein paar Körner knabbert. Er riecht die würzige Maische in den Maischetonnen mit Holzdeckel. Er kann dem Brennmeister dabei zuschauen, wenn er beim Brennen den „Middelcut“ – auch „Herz“ genannt – von Vorlauf und Nachlauf trennt und aus der Brennblase filtert. Wer die Führung inklusive Whisky-Tasting bucht, kann die Produkte des Hauses kosten und für sich den richtigen Stauning-Whisky finden und direkt vor Ort eine Flasche kaufen. Nähere Informationen sind auf der Internetseite unter https://stauningwhisky.com zu finden.

Wer am Ringkøbing Fjord Urlaub macht, sollte die Steuning Whiksy-Brennerei auf jeden Fall besichtigen. (Foto: Andreas Lerg)
Wer am Ringkøbing Fjord Urlaub macht, sollte die Stauning Whiksy-Brennerei auf jeden Fall besichtigen. (Foto: Andreas Lerg)
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