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Der Leuchtturm Lynvig Fyr ist 38 Meter hoch. (Foto: Andreas Lerg)
Erleben

Der Leuchtturm Lynvig Fyr – Zeitzeuge der dänischen Seefahrtgeschichte

Dänemark ist bekannt und bei seinen Besuchern beliebt für seine atemberaubenden Landschaften und spektakulären Küsten, die von majestätischen Leuchttürmen gesäumt werden. Einer dieser Leuchttürme ist der Lynvig Fyr, der an der Nordwestküste Dänemarks auf dem Holmsland Klit in der Nähe der Stadt Ringkøbing gelegen ist. Mit einer beeindruckenden Höhe von 38 Metern, erbaut auf einer 17 Meter hohen Düne, ist der weithin sichtbare Leuchtturm ein Wahrzeichen der Region und seit seiner Erbauung eine beliebte Touristenattraktion.

Der Leuchtturm Lynvig Fyr ist 38 Meter hoch und aus Ziegelsteinen gebaut. (Foto: Andreas Lerg)
Der Leuchtturm Lynvig Fyr ist 38 Meter hoch und aus Ziegelsteinen gebaut. (Foto: Andreas Lerg)

Der Lynvig Fyr wurde im Jahr 1906 erbaut und war bis zum Jahr 1965 mit einer Leuchtturm-Mannschaft besetzt und arbeitet seit dem Automatisiert. Ursprünglich wurde er als wichtiger Orientierungspunkt für die Schifffahrt an der Nordseeküste genutzt. Der Leuchtturm war nicht zuletzt durch seine Höhe so konzipiert, dass er bei schlechtem Wetter und in der Nacht von Seefahrern selbst aus großer Entfernung gesehen werden konnte. Im Laufe der Jahre wurde der Leuchtturm modernisiert und mit neuen Technologien ausgestattet, um sicherzustellen, dass er immer den höchsten Sicherheitsstandards entsprach.

Die Norweger zahlten angeblich die Baukosten

Angeblich wurde Lynvig Fyr gebaut, nachdem 1903 ein norwegisches Dampfschiff vor der Küste verunglückt war. Das war bei einem Sturm auf Grund gelaufen, weil die Küste dunkel war und es keine Orientierungspunkte gab. Im Anschluss soll Norwegen von Dänemark den Bau eines Leuchtturmes zur Absicherung der Seefahrtsroute an der dortigen Küste verlangt haben. Dänemark hat das aber verweigert und dem Bau erst zugestimmt, nachdem Norwegen die Übernahme der Kosten versichert hat.

Die Fresnel-Linse strahlt ein Licht aus, das noch aus 40 Kilometern zu sehen ist. (Foto: Andreas Lerg)
Die Fresnel-Linse strahlt ein Licht aus, das noch aus 40 Kilometern zu sehen ist. (Foto: Andreas Lerg)

Doch diese Geschichte ist nicht unumstritten. Es gibt keine eindeutige Antwort darauf, ob Norwegen den Bau des Lynvig Fyr tatsächlich finanziert hat, da es dazu verschiedene Ansichten und Berichte gibt.

Einige Quellen behaupten, dass der Bau des Leuchtturms teilweise von Norwegen finanziert wurde. Der Grund dafür war, dass der Lynvig Fyr auch für norwegische Schiffe als Orientierungspunkt diente, da er sich in der Nähe der Seeroute befand, die von Norwegen in Richtung Süden führte. Andere Quellen weisen jedoch darauf hin, dass der Bau des Lynvig Fyr vollständig von Dänemark finanziert wurde und dass Norwegen keinen Beitrag dazu geleistet hat.

Die durchaus moderne Architektur des Lynvig Fyr

Der Leuchtturm Lynvig Fyr ist ein hervorragendes Beispiel für die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts in Dänemark. Der Leuchtturm ist im Wesentlichen ein konischer Turm aus Ziegelsteinen. Er ist in mehrere Abschnitte unterteil und verjüngt sich nach oben leicht. Die Wände im unteren Teil sind rund anderthalb Meter dick, um Stabilität zu bieten. nach oben werden sie schmaler.

Der Turm ist beeindruckende 38 Meter hoch und im Gegensatz zu älteren Türmen an der Küste rund. Die Türme der früheren Epochen wurden aufgrund der Statik und Stabilität meist eckig gebaut. Der weiter südlich gelegene und um 1900 erbaute Turm Blåvandshuk Fyr beispielsweise ist noch eckig. Doch modernere architektonische Verfahren und Baumethoden erlaubten bei Bau des Lynvig Fyr eine schlanke und runde Form ohne dabei an Stabilität einzubüßen.

Das Design des Turms ist eine einzigartige Kombination aus Funktionalität und Ästhetik, die den Bedürfnissen der Schifffahrt gerecht wird, aber gleichzeitig auch ein beeindruckendes architektonisches Meisterwerk darstellt.

Wendeltreppe aus Stahl und die Technik im Turm

Der Leuchtturm Lynvig Fyr - Zeitzeuge der dänischen Seefahrtgeschichte 2
Die Wendeltreppe im Lynvig Fyr (Foto: Andreas Lerg)

Der Innenraum des Leuchtturms ist ebenfalls beeindruckend. Wo früher gemauerte oder hölzerne Treppen nach oben führten, kann der Besucher eine Wendeltreppe aus Beton und Stahl bewundern, die ihn von der Eingangstür im Erdgeschoss bis zur Aussichtsplattform auf dem Dach des Turms bringt. Während des Aufstiegs können Besucher die künstlerischen Details an den Wänden des Turms bewundern, darunter beispielsweise Fresken, die Segelschiffe darstellen. Die Wendeltreppe windet sich entlang der Wände in die Höhe und hat in der Mitte einen runden Schacht und zwar aus einem gutem und technisch relevantem Grund.

Buchtipps:

Zu Beginn wurde der Leuchtturm mit einer Fresnel-Linse und einem Acetylengasbrenner als Leuchtmittel betrieben und ging am 3. November 1906 in Betrieb. Das Licht des Turmes ist noch in 40 Kilometern Entfernung zu sehen. Die sich drehende Linsenkonstruktion wurde ähnlich wie eine Kuckucksuhr von einem Gewicht bewegt, das sich an einem Seil langsam durch den ganzen Treppenschacht im Turm hinab bewegte. Nach vier Stunden mussten die Leuchtturmwärter das Gewicht dann wieder mit einem Spill hinaufziehen, damit sich das Leuchtfeuer weiter dreht. Die Lichtquelle wurde im Jahr 1920 durch einen mit Petroleum befeuerten Glühstrumpfbrenner ersetzt. Erst im Jahr 1955 wurden sowohl die Beleuchtung als auch der Drehantrieb der Linse elektrifiziert. Aber die gesamte Mechanik ist immer noch die gleiche, wie 1906. Seit 1965 arbeitet der Leuchtturm automatisch und wird ferngesteuert.

In diesem Treppenschacht verlief bis 1955 ein an einem Seil laufendes Gewicht. das hat über eine Art Uhrwerk die Linse des Leuchtfeuers gedreht. Alle vier Stunden musste das Gewicht wieder nach oben gezogen werden, um den Mechanismus in Gang zu halten.
In diesem Treppenschacht verlief bis 1955 ein an einem Seil laufendes Gewicht. das hat über eine Art Uhrwerk die Linse des Leuchtfeuers gedreht. Alle vier Stunden musste das Gewicht wieder nach oben gezogen werden, um den Mechanismus in Gang zu halten.

Zwei Häfen extra für den Bau des Lynvig Fyr

Als der Lynvig Fyr gebaut wurde, mussten mehrere hunderttausend Ziegelsteine und etliches weiteres Baumaterial in die Dünenlandschaft geschafft werden. Weil das aber 1906 mangels geeigneter Landfahrzeuge – LKWs waren gerade erst erfunden worden und genau so wie geeignete Straßen noch nicht etabliert –, der großen Distanzen und auch der durch den Sand schlechten Zuwegung schwierig war, wurden extra zwei Häfen gebaut. In Ringkøbing entstand ein neuer Hafen, in dem Frachtkähne mit dem Material beladen wurden. Und auf der Westseite des Ringkøbing-Fjords nahe der Baustelle entstand der Lynvig Havn. Dort wurde das Material abgeladen und dann über recht kurze Wegen mit Pferdefuhrwerken zur Baustelle befördert.

Modernisierung vieler Häfen

In der Epoche, in die auch die Bauzeit des Lynvig Fyr fällt, wurde in Dänemark viele Häfen modernisiert und an die Bedürfnisse der modernen durch Dampf betriebenen Schifffahrt angepasst. Die Veränderungen sollten unter anderem auch die Sicherheit der Schifffahrt an der dänischen Nordseeküste erhöhen und die Abhängigkeit von ausländischen Häfen reduzieren. So wurde der Hafen in Hanstholm beispielsweise 1917 beschlossen und gestartet.

Ein wichtiger Aspekt dieser Modernisierung war die Verbesserung der Leuchttürme an der Küste. Der Lynvig Fyr wurde als Teil dieses Programms gebaut und sollte den Schiffsverkehr in der Region sicherer machen. In der Tat gab es zuvor in der Vergangenheit viele schwere Schiffsunglücke an der dänischen Nordseeküste, die auf die schlechte Navigation und die schwierigen Wetterbedingungen zurückzuführen waren. Durch den Bau zahlreicher Leuchttürme wie dem Blåvandshuk Fyr und dem Rubjerg Knude Fyr im Jahr 1900, dem Lynvig Fyr 1906 konnte die Sicherheit für Schiffe, die die Nordsee passieren, erhöht werden. Auch an der dänischen Ostseeküste entstanden in dieser Zeit viele Leuchttürme.

Lynvig Fyr ist heute Museum und Denkmal

Heute ist der Lynvig Fyr ein historisches Denkmal und ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen, die die Region besuchen. Der Leuchtturm ist von einer atemberaubenden Landschaft umgeben und bietet einen Panoramablick auf die Nordsee und die umliegende Küste. Von der Spitze des Turms aus können Besucher die gesamte Küstenlinie überblicken und die Schönheit der Natur in ihrer vollen Pracht erleben.

Der Leuchtturm Lynvig Fyr - Zeitzeuge der dänischen Seefahrtgeschichte 3
Die Aussicht von der Plattform oben auf dem Lynvig Fyr ist phantastisch! Di kannst die Heide- und Dünenlandschaft kilometerweit überblicken und auch auf die Nordsee hinaus schauen. (Foto: Andreas Lerg)

Die Umgebung des Lynvig Fyr ist auch ein Paradies für Naturliebhaber. Die umliegenden Dünen und Strände sind ideal zum Wandern und Radfahren, während die Küste ein beliebter Ort zum Surfen und Segeln ist. Es gibt auch viele Wanderwege und Naturparks in der Nähe des Leuchtturms, die es den Besuchern ermöglichen, die einzigartige Flora und Fauna der Region zu erkunden.

Für Besucher, die mehr über die Geschichte des Leuchtturms erfahren möchten, gibt es ein kleines Museum in der Nähe des Eingangs. Das Museum zeigt die Entwicklung der Schifffahrt in der Region und enthält auch Exponate über das Leben und die Arbeit der Menschen, die einst im Leuchtturm gearbeitet haben. Ein Shop bietet Souvenirs und allerlei nette Kleinigkeiten zum Kauf.

Der Leuchtturm Lynvig Fyr - Zeitzeuge der dänischen Seefahrtgeschichte 4
Die Aussicht von der Plattform oben auf dem Lynvig Fyr ist phantastisch! Di kannst die Heide- und Dünenlandschaft kilometerweit überblicken und auch auf die Nordsee hinaus schauen. (Foto: Andreas Lerg)

Leuchtturm-Erlebnis mit Adrenalin-Kick-Garantie

Wenn Du ganz mutig bist, kannst Du den Leuchtturm, nachdem Du ihn von innen über die Wendeltreppe erklommen hast, auf eine Art und Weise hinabsteigen, die garantiert für einen Adrenalin-Kick sorgt. Du kannst dich an der Außenfassade abseilen. Das ganze geschieht in der Saison von April bis Oktober mittwochs unter fachlicher Anleitung und betreut und gesichert von Experten. Der Teilnehmer muss mindestens 14 Jahre alt sein, bequeme Kleidung und festes Schuhwerk tragen. Infos und Tickets gibt es hier auf der Webseite.

Insgesamt ist der Lynvig Fyr ein wunderbares Beispiel für die Schönheit und Geschichte der dänischen Nordseeküste. Der Leuchtturm ist ein unvergessliches Erlebnis für jeden, der die Region besucht, und ein Symbol für die wichtige Rolle, die er in der Geschichte der Schifffahrt gespielt hat. Ob Sie sich für Geschichte, Natur oder einfach nur für eine atemberaubende Aussicht interessieren, der Lynvig Fyr ist ein Muss auf Ihrer Reiseliste.

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