Donald Trumps Grönland-Obsession erklärt
Seine gebetsmühlenartig wiederholte Forderung Grönland unter US-Kontrolle zu bringen, begründet Donald Trump offiziell mit zwingenden Gründen der nationalen Sicherheit. Und er hat sogar mehrfach unverhohlene Drohungen ausgesprochen, seinen angeblichen Anspruch auf die Insel sogar militärisch durchzusetzen. Dass er dazu in der Lage ist, zeigt der Überfall der USA auf Venezuela. Immerhin hat Trump in seiner konfusen Rede auf dem Wirtschaftsforum in Davos eingelenkt und angekündigt, auf militärische Gewalt zu verzichten, und will sich sogar auf ein Abkommen einlassen. Das wohl auch, weil viele europäische Politiker endlich mal ihr Rückgrat entdeckt und ihm deutlich gemacht haben: „So nicht!“
Doch viele politische Analysten befürchten, dass damit die sprichwörtliche Kuh noch nicht vom grönländischen Eis ist. Da sich die Launen und Forderungen des US-Präsidenten schneller ändern als das Wetter, befürchten viele Fachleute, dass er nach wie vor auf den Besitz von Grönland spekuliert und das früher oder später wieder äußern dürfte. Aber warum das Ganze? Was steckt nun wirklich hinter Donald Trumps Mantra „We need Greenland!“? Das schauen wir uns heute an.
Das Sicherheitsargument, das keines ist
Das Sicherheitsargument von Donald Trump ist faktisch mindestens fragwürdig. Trump fabulierte, dass Grönland von „russischen und chinesischen Schiffen umzingelt“ sei. Deshalb sei die Kontrolle über und im Prinzip der Besitz durch die Übernahme von Grönland eine „absolute Notwendigkeit“ für die nationale Sicherheit der USA. Diese Darstellung wird von führenden Arktis-Experten als irreführend eingestuft. Beispielsweise von Michael Paul, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), der sich auf Arktis-Geopolitik spezialisiert hat. Der erklärt dazu unmissverständlich, dass die Kriegsschiffe, die Trump überall sehen will, völliger Quatsch sind. Und aus Grönland selbst heißt es, die einzigen Kriegsschiffe weit und breit sind von der dänischen Marine. Und das ist vollkommen normal, denn Grönland ist schließlich ein Teil des Königreiches Dänemark. Michael Paul sagt außerdem, dass die Schiffe aus Russland und China bereits seit vielen Jahren in die Arktis einfahren können und dass sich im Prinzip nichts geändert hat. Es gibt also keine neue Lage.
Tatsächlich ist die sicherheitspolitische Realität deutlich weniger dramatisch: Während China 2024 erstmals mehrere Eisbrecher gleichzeitig in arktischen Gewässern stationierte, hatte Russland bereits während des Kalten Krieges U-Boote in diesen Gewässern stationiert. Entgegen Trumps populistischer Darstellung haben sich die Gewässer zwischen Grönland, Island und Großbritannien – die strategisch wichtige GIUK-Lücke – nicht plötzlich zu einem Kriegsschauplatz entwickelt. Trumps Aussagen und Begründungen in dieser Hinsicht sind schlichtweg übertrieben und falsch. Man könnte sie auch strategische Lügen nennen.
Was aber noch viel bedeutsamer ist: Die USA könnten vollkommen problemlos ihre militärische Präsenz in Grönland quasi nach Belieben ausbauen. Und das, ohne die Insel annektieren zu müssen. Zwischen den USA, Dänemark und Grönland besteht bereits seit 1951 ein gut ausgearbeitetes Verteidigungsabkommen. Mit diesem Abkommen könnten die USA problemlos ihren Militärflugplatz Thule – der seit April 2023 Pituffik Space Base heißt – auf Grönland ausbauen. Nicht nur das, sie könnten zusätzliche militärische Basen und Installationen errichten – sofern Grönland und Dänemark zustimmen. Das gab es schon mal. Während des Kalten Krieges hatten die USA zahlreiche Militärstationen auf Grönland. Eine ganze Kette strategischer Stützpunkte und Radarstationen. All die wurden seit dem Ende des Kalten Krieges aufgegeben und zurückgebaut, bis jetzt mit der Pituffik Space Base nur noch diese eine hochspezialisierte Militärbasis übrig geblieben ist. Die USA selbst haben also ihre militärische Präsenz in Grönland Zug um Zug abgebaut. Experte Michael Paul fasst das so zusammen, dass es im Augenblick keine Notwendigkeit gibt, verteidigungs- oder sicherheitspolitisch in Grönland etwas grundlegend zu ändern. Aber wenn die USA das wollten, könnten sie es über bestehende Verträge mit Dänemark und im Rahmen der NATO-Partnerschaft vollkommen problemlos jederzeit tun.
Ok, warum ist Donald Trump tatsächlich so scharf auf Grönland?
Wenn es keine sicherheitspolitischen Gründe gibt, was steckt dann dahinter, wenn Donald Trump immer wieder sagt „We need Greenland“ und auch eine militärische Annexion nicht ausschließt? Warum ist er so geil auf diese Insel? Die echten Motivationen dahinter sind zum einen die Rohstoffe und zum anderen sein Verständnis von Geopolitik. Während Trump Sicherheit als taktisches Argument zu nutzen versucht, stecken dahinter drei substanzielle Antriebskräfte:
1. Die arktische Dominanz gegen China und Russland
Die Arktis durchlebt durchaus eine strategische Neuordnung. Der Klimawandel schmilzt Eismassen, eröffnet neue Schifffahrtsrouten und macht außerdem bislang unerreichbare Ressourcen wie diverse Bodenschätze zugänglich. Nicht sofort innerhalb von ein oder zwei Jahren, aber mittelfristig und langfristig. China positioniert sich hier recht aggressiv: Peking hat China 2018 selbst als „nahen Arktis-Staat“ deklariert, obwohl China geografisch weit entfernt liegt. Die sogenannte Belt-and-Road-Initiative soll die „Polare Seidenstraße“ einschließen. Und natürlich hat auch Russland massive Interessen an dieser Region. Zumal Russland deutlich näher an der Arktis liegt, als China. Faktisch grenzt Russland direkt an die Arktis an.












Damit stehen die USA, bisher die dominante Arktis-Macht, vor einem Problem: Sie verfügen über zu wenige moderne Eisbrecher und eine unterdimensionierte Infrastruktur im Vergleich zu Russland und dem wachsenden chinesischen Engagement. Grönlands geografische Position als Zugangspunkt zu diesem Raum ist für Washington strategisch wertvoll. Und ja auch militärisch macht eine Stationierung von Frühwarn- und Verteidigungssystemen auf dieser Insel durchaus Sinn. Aber all das wäre, wie schon ausführlich erklärt, bereits jetzt problemlos und in Kooperation mit der NATO vollständig machbar. Der Besitz von Grönland ist aus dieser Hinsicht für die USA irrelevant.
2. Rohstoffe sind ein wichtiger Faktor
Schauen wir kurz auf die Militäroperation in Venezuela, mit der der amtierende, aber umstrittene und diktatorische Präsident Maduro abgeräumt wurde. Diese fand nicht wirklich wegen des „Drogenterrorismus“ statt. Donald Trump hat nebenbei recht unverblümt erklärt, dass man es primär auf die gigantischen Ölvorkommen in Venezuela abgesehen hat. Kein Land hat mehr Ölreserven im Boden und vor der Küste. Und Ressourcen und Rohstoffe sind auch bei Grönland ein wichtiges Motiv für Donald Trump. Vor allem seltene Erden und kritische Mineralien, denn Grönlands Vorkommen gehören zu den größten der Welt. In Südgrönland wird das Vorkommen dieser seltenen Erden auf 6,6 Millionen Tonnen geschätzt – das zweitgrößte Vorkommen weltweit. In Grönland findet man 27 von 34 von der EU als kritisch und wichtig eingestuften Mineralien. Damit nicht genug, denn auf der Insel gibt es mehr zu holen: Gold, Zink, Kupfer, Lithium, Titan oder auch Metalle aus der Platingruppe. Und auf Grönland gibt es auch noch große Vorkommen an Öl und Gas.
Aber warum ist dies ein so wichtiges Motiv für die USA? Aktuell kontrolliert China etwa 90 % des globalen Abbaus seltener Erden und auch deren Verarbeitung. Diese Mineralien sind für allerlei technische Anwendungen von der Elektrotechnik, über Windkraftanlagen und Batterien bis zu Verteidigungstechnologie unverzichtbar. Ein westlicher Technologiewettbewerb ohne Seltenerd-Zugang ist nicht möglich. An dieser Stelle noch etwas wirklich Groteskes! Viele dieser Rohstoffe werden nur und erst deshalb zugänglich, weil der Klimawandel Teile der permanenten Eisflächen auf der Insel schmelzen lässt. Genau der Klimawandel, den Donald Trump höchstselbst als nicht existent und als Betrug bezeichnet. Er leugnet öffentlich also den Klimawandel, will aber dennoch genau von dessen Auswirkungen profitieren.
Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen hat jüngst explizit bekräftigt, dass China von den zukünftigen Seltenerd-Entwicklungen auf der Insel ausgeschlossen bleibt. Die westliche Strategie – USA, EU, Japan – zielt auf eine integrierte Lieferkette ab, die Chinas Marktdominanz aufbricht. Wie ein Analyst es formuliert: Mit Grönlands Rohstoffen und Japans Raffinerietechnologie könne der Westen eine vollständig integrierte, politisch abgestimmte Lieferkette schaffen, die mit Chinas etablierter Industrie konkurriert. Man sieht also: Die USA könnten davon vollkommen problemlos profitieren, ohne „Besitzer“ von Grönland zu sein. Aber wahrscheinlich denkt Trump, wenn die USA Grönland besitzen, kann man die Rohstoffe quasi kostenlos ausbeuten, anstatt sich mit anderen Nationen handelseinig werden zu müssen.
3. Imperialistische Großmachtpolitik und „Dealmaking“
Bisher haben wir also gelernt, dass sowohl das Thema Sicherheit als auch das Thema Rohstoffe für die USA jederzeit machbar wäre, ohne dass Grönland ein Teil der USA würde. Trump muss Grönland nicht annektieren, um die Sicherheit auszubauen und an grönländische Rohstoffe heranzukommen. Aber warum dann trotzdem dieser Besitzanspruch und diese immer aggressivere Rhetorik in Sachen „We need Greenland“? Warum kommen von Trump und aus seinem Umfeld immer wieder zumindest rhetorische Drohungen? Warum riskiert Trump – sollte er Ernst machen – das Auseinanderfallen des seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Verteidigungsbündnisses namens NATO? Das wäre eine Katastrophe. Auch für ihn und die USA?
Der Grund deutet sich in Trumps Wahlslogan „Make America Great Again“ an. Er meint das gewissermaßen auch wörtlich. Experten der Bundeszentrale für Politische Bildung halten fest, dass Trump hier hauptsächlich imperialistische Ambitionen hat. Mit „Great“ meint er also nicht nur „toll“, sondern tatsächlich auch „größer“. Trump möchte die USA zu einer Großmacht machen und dabei das Territorium des Landes ausbauen. Er träumt davon, der Präsident zu sein, der die USA tatsächlich auch geografisch vergrößert hat. Wie wir wissen, hat er auch Kanada im Visier, um die USA zu vergrößern. Er faselt immer wieder davon, Kanada zu einem US-Bundesstaat zu machen.
Das Bestreben, Grönland an sich zu bringen, ist übrigens absolut kein neues Phänomen, das erst unter Trump aufgekommen ist. Bereits seit 1868 versuchten die USA immer wieder einmal, Grönland zu erwerben. Trump allerdings hat diese Obsession reaktiviert und verstärkt, indem er schon 2019 in Sachen Grönland von einem „großen Immobilienkauf“ faselte und in jüngster Zeit militärische Optionen nicht ausschloss.
Die Rhetorik und Taktik deuten auf klassisches Trump-Dealmaking: Zunächst Druck ausüben. Wie durch wirtschaftliche Sanktionen gegen Dänemark, beispielsweise durch die Aussetzung von Offshore-Windkraft-Verträgen. Dann sich extrem positionieren, beispielsweise durch Androhen einer militärischen Annexion. All das, um dann einen vermeintlich „großen Deal“ abzuschließen. Und dass das Motto „Bist Du nicht willig, dann mit Gewalt“ manchmal auch in die Tat umgesetzt wird, haben wir gerade mit dem völkerrechtswidrigen Militäreinsatz in Venezuela erlebt. Aber immerhin haben die Europäer hier endlich mal Rückgrat und Standhaftigkeit bewiesen, und das scheint ihn in Davos wohl beeindruckt zu haben.
Schauen wir uns noch mögliche Szenarien an
Wie könnte Trump es also anstellen, seine Großmachts-Träume in Bezug auf Grönland umzusetzen? Was wären die möglichen Szenarien?
Da wäre zunächst der sprichwörtliche Kauf. Die USA leisten eine finanzielle Kompensation für Grönland an Dänemark, an die Grönländer und eventuelle andere Stakeholder, und nehmen dafür die Insel in ihren Besitz. Ist das wahrscheinlich? Nein. Dänemark und Grönland selbst haben mehrfach sehr deutlich gemacht, dass die Insel definitiv nicht zum Verkauf steht.
Dann wäre da eine sogenannte „freie Assoziation“. Auf Englisch nennt sich das „Compact of Free Association“, auch COFA-Abkommen genannt. Die USA haben solche Assoziationsabkommen mit Mikronesien, der Republik der Marshallinseln und der Republik Palau. Theoretisch sind es freie Staaten, aber faktisch stehen sie unter der Kontrolle der USA. Man könnte das als moderne Form des Kolonialismus betrachten. Ist das wahrscheinlich? Nein. Zunächst müsste Grönland über ein Referendum von Dänemark und der EU unabhängig werden, um ein solches Abkommen überhaupt vereinbaren und unterzeichnen zu können. Bei einer wirtschaftlichen Notlage der Insel gäbe es ausreichend europäische Alternativen zu den USA. Grönland würde aus der europäischen Geschlossenheit herausgebrochen, damit isoliert und faktisch unter US-Kontrolle gestellt. Das werden die Grönländer nicht wollen.
Das verbleibende Szenario ist tatsächlich die militärische Übernahme. In diesem Fall würde faktisch und tatsächlich ein NATO-Land ein anderes NATO-Land angreifen. Die USA und Dänemark sind Gründungsmitglieder der NATO und damit Partner in einem Verteidigungsbündnis, das geschlossen wurde, um sich gegen äußere Feinde zu wehren. Die USA würden einen Konflikt zweier Bündnispartner vom Zaun brechen. Das wäre eine Katastrophe und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen hat schon klargemacht, was das bedeutet. Ich zitiere: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen oder dessen Territorium in Anspruch nehmen, ist alles aus. Das heißt auch unsere NATO und damit die Sicherheit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewährleistet ist.“ Ob Trump eine solche Katastrophe riskiert? Experten schätzen dieses Risiko auf unter 5 Prozent. Letztlich dürften Trump aber auch sein Umfeld diesen Konflikt mit oder innerhalb der NATO und den zwangsläufig folgenden Bruch mit den restlichen EU-Staaten dann doch scheuen. Hoffentlich.
Was stattdessen bereits passiert, ist eine subtile politische Einmischung. Die USA finanzieren proamerikanische Politiker in Grönland und unterstützen eine proamerikanische Unabhängigkeitsbewegung. Es werden verdeckte CIA-Operationen durchgeführt. Ziel ist die langfristige Spaltung der grönländischen Politik. Begleitet wird das durch öffentliche Provokationen wie jüngst die Ernennung von Jeff Landry, amtierender Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, zum Sondergesandten für Grönland. Oder durch diverse Scharfmacher aus Trumps unterwürfigem Umfeld, die dann in den Medien mit entsprechend martialischer Rhetorik auftreten. Also eine Mischung aus Beeinflussung, Unterwanderung und Provokation.
Schießt Trump sich mit all dem ein Eigentor?
Trumps aggressive Rhetorik und die beschriebenen „Aktivitäten“ haben eine politische Konsequenz ausgelöst, die seinem Ziel direkt zuwiderläuft: Donald Trump und die USA verlieren rapide das Vertrauen bei Grönländern. Je mehr er Grönland haben will, umso mehr wollen die Grönländer genau das nicht. Die Wahlen vom März 2025 beispielsweise offenbarten eine deutliche Botschaft:
Die sozialliberale Demokraatit-Partei von Jens-Frederik Nielsen erzielte einen überraschenden Sieg mit 30 %, obwohl sie 2021 bei der letzten Wahl gerade mal 9% der Stimmen bekam.Das ist explizit eine Botschaft gegen Trumps imperialistische Rhetorik, denn die Demokraatit-Partei gilt als klar US‑kritisch. Die Partei positioniert sich deutlich gegen jede Form von Annexion oder „Kauf“. Sie strebt langfristig eine Unabhängigkeit von Dänemark an und nicht den Wechsel von einer Abhängigkeit in die nächste. Parteichef Nielsen betont, dass Grönländer Grönländer sein wollen – weder Dänen noch Amerikaner. Der Fokus der neuen Regierung liegt auf wirtschaftlicher Entwicklung, Gesundheit und Wohnungsbau – und garantiert nicht auf einer Abhängigkeit von den USA.
Damit nicht genug. Laut Umfragen lehnen 85 Prozent der Grönländer die US-Pläne einer Übernahme ihres Landes ab. Grönländische Medien berichteten, dass eine Demonstration mit dem Motto „Yankee go home!“ ein historisches Ausmaß gehabt habe.
Dieser Vertrauensverlust ist für Trumps Ziele fatal. Damit funktionieren dann auch sogenannte Soft-Power-Strategien wie Geldangebote oder Investitionen nicht mehr. Denn diese benötigen Vertrauen als Fundament. Und genau das hat Trump massiv beschädigt.
Schauen wir auf die NATO und die europäische Geschlossenheit
Zwei Aspekte, die Trumps Pläne zusätzlich erschweren, sind die NATO und die europäische Geschlossenheit. Letztere wurde ja gerade erst durch den gemeinsamen Brief mehrerer europäischer Staatschefs an die USA demonstriert. Zu den Unterzeichnern gehört auch Bundeskanzler Merz. Und dann hauptsächlich jüngst durch die Auftritte und Reden verschiedener Staatschefs auf dem Wirtschaftsforum in Davos Mitte Januar.
Aber fangen wir mit der NATO an: Dänemark inklusive Grönland ist Gründungsmitglied der 1949 geschaffenen NATO. Eine US-Annexion von Grönland würde nicht nur massiv völkerrechtliche Normen brechen, sondern auch die NATO selbst spalten. Die NATO ist, wie schon erwähnt, ein Schutzbündnis aus vielen Partnerländern. Würde Trump also militärisch auf Grönland intervenieren, würde er mit Dänemark ein Partnerland angreifen und den Bruch oder zumindest eine Spaltung der NATO riskieren. Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen habe ich schon zitiert mit ihrer Warnung: Sollten die USA ein NATO-Land angreifen, „dann ist alles vorbei“. Dies würde das Ende der seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Sicherheitsarchitektur bedeuten.
Machen wir mit der EU weiter. Sechs europäische Länder – Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Dänemark – haben sich wie oben erwähnt in einer gemeinsamen Erklärung gegen eine Annexion positioniert. Dies zeigt hier eine europäische Geschlossenheit gegenüber Washington – ein Signal, dass Trump nicht damit rechnen kann, Europa zu spalten – zumindest nicht in dieser Frage. Und auch andere Staatschefs europäischer Länder haben sich bereits deutlich gegen Donald Trumps Ambitionen in Sachen Grönland positioniert. Und Davis hat bewiesen, dass diese Einigkeit den US-Präsidenten dann wohl doch beeindrucken kann.
Kommen wir zum Fazit:
Trumps wiederholte Behauptung, Grönland sei für die nationale Sicherheit „absolut notwendig“, hält einer faktischen Überprüfung nicht stand. Die sicherheitspolitische Lage in der Arktis hat sich nicht wesentlich verschärft – es gibt keinen akuten Anlass für einen „arktischen Rüstungswettlauf“ oder gar eine Annexion Grönlands. Zudem ermöglichen bestehende Verträge völlig problemlos und jederzeit eine Stärkung der US-Präsenz auf Grönland und in der Arktis. Auch im Hinblick auf Rohstoffe könnte man sich mit bilateralen Wirtschaftsabkommen problemlos einig werden.
Donald Trump träumt von geopolitischer Dominanz und den USA als einer von drei Großmächten neben Russland und China. Und er begehrt die Kontrolle über einen Schlüsselraum im arktischen Wettbewerb mit China und Russland. Das schließt den „Besitz“ der Rohstoffe wie seltener Erden ein, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Er will nicht über diese Rohstoffe verhandeln, er will sie einfach haben. Dann träumt Donald Trump in seinem Großmachtswahn von einer imperialistischen Expansion. Wenn er von „Make America Great Again“ spricht, dann meint er das auch wörtlich durch Erweiterung des Staatsgebietes. Deshalb will er neben Grönland auch Kanada einkassieren. Und nach der Aktion in Venezuela droht er beispielsweise auch Kuba. Er glaubt, die USA hätten einen Anspruch auf die „westliche Hemisphäre“ und ein Recht auf eine territoriale Expansion. Europa sieht er dabei, wenn überhaupt, nur als Juniorpartner, der sich unterzuordnen hat. Das macht seine Politik der letzten Monate klar. So wie Hitler von einem „Großdeutschen Reich“ träumte, so scheint Donald ähnliche expansive Großmacht-Ambitionen zu haben. Man muss sich nur seine Pläne für den Ballsaal neben dem Weißen Haus anschauen, um den Größenwahn zu erkennen.
Die Chancen auf Erfolg in Bezug auf Grönland sind jedoch gering. Der grönländische Widerstand ist massiv, die europäische Geschlossenheit zeigt sich hier bisher unerwartet stabil. Die NATO ist ein weiterer gewaltiger Faktor, der deutlich gegen diese Pläne spricht. Und der Vertrauensverlust durch Trumps Rhetorik hat seine Soft-Power-Optionen für Grönland beschädigt. Und was Kanada und seine Bürger davon halten, von einer eigenen Nation zu einem Bundesstaat der USA degradiert zu werden, liegt auf der Hand. Nichts.
- Donald Trumps Grönland-Obsession erklärt
- Dänemark und das Jante-Gesetz – Fluch oder Segen?
- Auswandern nach Dänemark Pro und Kontra
- Dänemark – Die beste Reise meines Lebens von Tim Uhlemann – eine Rezension
- Über Wikinger und Waschtage
Quellen:
Deutschlandfunk, 22. Dezember 2025; DIE ZEIT, 6. Januar 2026[22][1]
Interview mit Michael Paul (SWP), n-tv, 6. Januar 2026[20][2]
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[2](https://ojihad.wordpress.com/2025/01/09/warum-gronland/)
[4](https://www.tagesschau.de/ausland/europa/groenland-usa-ansprueche-china-russland-100.html)
[6](https://www.sz-dossier.de/tiefgaenge/die-wahren-gruende-fuer-trumps-griff-nach-groenland-7f64ae91)
[10](https://www.zeit.de/news/2025-12/22/trump-ernennt-sondergesandten-fuer-groenland)
[12](https://www.bundestag.de/resource/blob/1050698/WD-2-001-25-pdf.pdf)
[13](https://www.dw.com/de/gr%C3%B6nland-im-visier-der-usa-warum/a-75398880)
[14](https://taz.de/USA-greifen-nach-Groenland/!6142938/)
[15](https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/darum-traeumt-trump-von-groenland-110223944.html)
[18](https://www.antenne.de/nachrichten/welt/medien-rubio-sieht-kauf-groenlands-nicht-us-militaereinsatz)
[20](https://www.n-tv.de/politik/Bei-Trump-muss-man-leider-alles-fuer-moeglich-halten-id30209684.html)
[21](https://rohstoff.net/groenlands-seltene-erden-grosses-potenzial-grosse-huerden/)
[24](https://alex-fueakbw.de/news/542/)
[27](https://www.n-tv.de/wirtschaft/Diese-Rohstoffe-gibt-es-in-Groenland-article25609840.html)
[30](https://taz.de/Trump-Venezuela-und-Groenland/!6136280/)
[31](https://www.sueddeutsche.de/politik/groenland-wahlsieger-nielsen-ziele-unabhaengigkeit-li.3217769)
[33](https://institut-seltene-erden.de/gronland-bohrt-gigantischen-rohstoffschatz-an/)
[39](https://www.iwd.de/artikel/seltene-erden-chinesisches-druckmittel-654565/)
[40](https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-news-liveblog-trump-groenland-venezuela-li.3352720)
[42](https://www.leftcom.org/de/articles/2025-07-22/imperialistische-spannungen-heizen-die-arktis-auf)
[43](https://www.youtube.com/watch?v=F8u8-U9S-9s)
[44](https://stock3.com/news/groenland-trump-regierung-droht-mit-militaereinsatz-16866726)
[46](https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Nielsen)
[47](https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/usa-treiben-entmachtung-ihres-russischen-rivalen-voran)
[49](https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/wahlen-in-groenland)
[51](https://www.zdfheute.de/politik/ausland/groenland-daenemark-trump-usa-drohungen-100.html)
[52](https://www.tagesschau.de/ausland/europa/groenland-wahlergebnis-102.html)
[53](https://www.swp-berlin.org/publikation/strategische-rivalitaet-zwischen-usa-und-china/)
[54](https://www1.wdr.de/nachrichten/trump-groenland-interview-100.html)
[55](https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/560182/parlamentswahl-in-groenland-2025/)
[57](https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/april/groenland-unabhaengigkeit-oder-feindliche-uebernahme)
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