Das dänische Protestschwein
Es gibt in vielen Ländern Sagen, Mythen und kuriose Geschichten. Natürlich auch in Dänemark. Und eine dieser Geschichten will ich Dir heute erzählen: die Geschichte vom dänischen Protestschwein. Das dänische Protestschwein? Das klingt im ersten Moment wie eine Lügengeschichte des Baron von Münchhausen. Aber das dänische Protestschwein gibt es wirklich und seit den 1950er Jahren ist es sogar eine offiziell anerkannte Schweinerasse. Was diese Schweinerasse mit dem Stolz der Dänen und subversivem Widerstand zu tun hat, das berichte ich Dir jetzt!
Unsere Geschichte beginnt 1864
Um die Geschichte des dänischen Protestschweins zu verstehen, müssen wir zurück ins Jahr 1864 zum Deutsch-Dänischen Krieg. Dänemark war früher größer als heute. Bis 1864 verlief die deutsch-dänische Grenze im Prinzip entlang der Einer, also grob auf der Höhe von Rendsburg und Kiel. Im Jahr 1864 tobte der Zweite Schleswigsche Krieg zwischen Dänemark auf der einen Seite und Preußen sowie Österreich auf der anderen. Am 1. Februar 1864 überschritt der preußisch-österreichische Heer die Eider-Grenze, den historischen Grenzfluss zwischen Holstein und Schleswig und fiel damit in Dänemark ein.
Die entscheidende Schlacht fand an den berühmten Düppeler Schanzen statt. Heute findest Du dort übrigens ein tolles Museum, in dem Du alles über diese Schlacht erfahren kannst. Am 18. April 1864 gelang es den preußischen Truppen nach wochenlanger Belagerung, diese dänische Festung zu erstürmen. Das war die Niederlage für Dänemark: Im Frieden von Wien musste das Königreich Dänemark am 30. Oktober 1864 die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg abtreten.
Im Jahr 1867 entstanden aus diesen Gebieten die preußische Provinz Schleswig-Holstein. Diese Region bildet heute das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein. Als das Gebiet damals unter die preußische Herrschaft geriet, wollte Preußen, dass die Region auch kulturell dem preußischen Reich einverleibt wird. Die dänische Kultur sollte verschwinden. Damit begann für die dänische Minderheit in diesem Gebiet, eine Zeit der Unterdrückung. Preußen verbot viele dänische Traditionen, Sitten und Gebräuche, um die dänische Kultur auszumerzen. Dazu zählte auch das Flaggenverbot. Den Dänen in diesem Gebiet wurde es verboten, den Dannebrog zu hissen oder die dänische Nationalflagge sonst irgendwie zu nutzen oder zu zeigen.












Das dänische Protestschwein entsteht
Anstatt mit gewaltsamen Protesten gegen die neuen und unerbittlichen Herren des Landes vorzugehen, wählten die Dänen einen deutlich subversiveren Protest. Genau hier kommt jetzt das dänische Protestschwein ins Spiel! Die dänischen Bauern vor allem in Nordfriesland wollten sich ihre rot-weiße Nationalflagge – den Dannebrog – nicht einfach so verbieten lassen. Also wurden sie kreativ: Sie begannen, Schweine zu züchten, die in etwa so aussahen wie ihre geliebte aber verbotene Flagge!


Das funktionierte so: Sie kreuzten das schwarzweiße Angler Sattelschwein mit dem roten englischen Tamworth-Schwein und holsteinischen Marschschweinen. Heraus kam ein Schwein mit rotbraunem Fell und einem charakteristischen weißen „Sattel“ über Schulter und Vorderbeine. Sprich, der rothaarige Rücken der Schweine wurden durch eine weiße Linie quer über die Schulter unterbrochen. Es soll sogar Schweine gegeben haben, die zusätzlich noch einen längs über Rücken laufenden, schmalen weißen Streifen hatten. Damit war das Dänische Protestschwein geboren – quasi eine lebende dänische Flagge!

Der berühmte Polizeibericht von 1881
Die Geschichte wird im Jahr 1881 richtig spannend. Da musste ein preußischer Polizeiposten aus Husum einen ziemlich kuriosen Bericht an die preußische Regierung nach Berlin schicken. Die Meldung lautete sinngemäß: In letzter Zeit ist zu beobachten, dass Bauern rot-weiß gestreifte Schweine in ihren Vorgärten halten – eindeutig in den verbotenen dänischen Farben!

Eine Untersuchungskommission wurde losgeschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Aber die mürrischen und verschwiegenen norddeutsch-dänischen Bauern antworteten nur: „Die hatten wir schon immer“. Einige behaupteten sogar frech, es sei nur ein Sonnenbrand – ihre Schweine hätten aus Versehen unter einer deutschen Eiche geschlafen! Für diese freche Antwort wurden sie natürlich sofort gemaßregelt.
Die Zeit der Verfolgung und des Widerstands
Die Preußen verstanden den Protest sehr wohl. Sie vermuteten zu Recht, dass die rotbunten Schweine demonstrativ gehalten wurden, um „Flagge zu zeigen“. Und so bekam diese außergewöhnliche Schweinerasse auch ihren Namen: Das Protestschwein oder dänische Protestschwein.
Die dänische Minderheit ließ sich aber nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Das Protestschwein wurde zu einem Symbol des stillen Widerstands. Während ihre Flagge verboten war, konnte niemand verbieten, bestimmte Schweine zu halten. Es war ein geniales Schlupfloch! Die Unterdrückung der dänischen Kultur ging aber weiter: 1888 wurde Deutsch zur alleinigen Unterrichtssprache in nordschleswigschen Schulen. Trotzdem hielten die Menschen an ihrer Identität fest – eben auch mit Hilfe ihrer vierbeinigen Flaggen. Und unter anderem auch mit etwas, das heute als süddänische Kaffeetafel bekannt ist. Aber die Geschichte erzähle ich ein anderes Mal.
Vom Protestschwein zum Rasseschwein
Was als tierischer politischer Protest begann, entwickelte sich dann zu einer echten Nutztierrasse. Um 1916 herum tauchten immer mehr dieser rotbunten Schweine als Farbvarianten des Angler Sattelschweins auf. Und im Jahr 1954 wurde das Schwein, das als dänisches Protestschwein gezüchtet worden war, schließlich als „Rotbuntes Husumer Schwein“ und damit als offizielle Rasse anerkannt. Die vollständige Bezeichnung nennt sich“Deutsches Sattelschwein – Abteilung Rotbuntes Husumer Schwein“. Paradox daran ist, dass aus dem dänischen Protestschwein eine deutsche Schweinerasse wurde. Aber die Geschichte der Rebellion blieb dennoch im Namen erhalten, denn bis heute wird dieses Schwein eben auch „Dänisches Protestschwein“ genannt.
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Das Schicksal der Rasse
Leider war der Erfolg dieser Schweinerasse nicht von langer Dauer. Mit der Technisierung der Landwirtschaft gerieten die robusten, aber langsam wachsenden Protestschweine aus der Mode. Es setzten sich andere Schweinerassen durch, die schnell wachsen, schnell gemästet und geschlachtet werden können. Im Jahr 1968 wurde zum letzten Mal eine Sau mit Ferkeln auf einer Tierschau in Rendsburg gesehen.
Danach galt die Rasse zunächst lange als ausgestorben. Aber dann wurden im Jahr 1984 auf der Grünen Woche in Berlin doch noch einige rotbunte Schweine entdeckt! Zoologen und Liebhaber, darunter der Zoo Berlin, begannen sofort mit der erhaltenden Neuzüchtung der Rasse. Heute leben wieder etwa 140 Tiere des dänischen Protestschweins – viele davon in Zoos und bei engagierten Hobbyzüchtern.
Das dänische Protestschwein heute
Heute ist das ehemalige dänische Protestschwein übrigens zu einem Gourmetschwein geworden. Die Rotbunten Husumer Schweine sind „großrahmigen“ Tiere – die Eber werden fast einen Meter hoch und bis zu 350 Kilo schwer. Sie liefern Fleisch von außergewöhnlicher Qualität. Ihr hoher Fettgehalt sorgt für ein herzhaftes Aroma, das viele Fleischliebhaber schätzen. Das Besondere: Diese Schweine sind perfekt für die extensive Weidehaltung geeignet. Sie sind robust, winterhart und brauchen keinen beheizten Stall. Perfekt für Ökobetriebe und regionale Vermarkter, die Wert auf Nachhaltigkeit legen.
Eine kuriose Randnotiz zum Schluss
Die Geschichte des Protestschweins hatte übrigens sogar ein österreichisches Nachspiel! Um das Jahr 1911 herum kam man in Österreich – das ja auch rot-weiße Flaggenfarben führt – auf die Idee, eine rotweiss gestreifte Schweinerasse zum „österreichischen Nationalschwein“ zu erklären. Aber eine antikaiserliche Schmähschrift gegen den „Saustall Hofburg“ machte diesem Projekt eines „Kaiserschweins“ allerdings ein schnelles Ende!
Und die Moral von der Protestschwein–Geschichte
Das dänische Protestschwein zeigt uns etwas Wichtiges: Menschen finden immer einen Weg, ihre Identität zu bewahren – selbst wenn sie dabei zu so kreativen Mitteln wie der Schweinezucht greifen müssen. Was als cleverer Protest gegen die preußische Unterdrückung begann, ist heute ein lebendiger Teil einer gemeinsamen deutsch-dänischen Kulturgeschichte. Und vielleicht ist das die wichtigste Lektion: Widerstand muss nicht immer laut oder brutal sein. Manchmal reicht es, einfach die richtigen Schweine im Vorgarten laufen zu lassen.
Was denkst Du über diese schweinische Geschichte? Kennst Du andere kuriose Begebenheiten aus Dänemark, die ich mal recherchieren und erzählen soll? Ich freue mich auf Deinen Kommentar. Schaue auch gerne mal in der Facebook-Gruppe Dänemark, Hygge und Mee(h)r und auf meinem Youtube-Kanal vorbei.
So und jetzt, ganz zum Schluss, habe ich noch ein schweinisches Rätsel für Dich. Dänemark ist ein Land, in dem die Schweinezucht und der Export von Schweinefleisch ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. In Dänemark leben derzeit circa 5,9 Millionen Dänen. Aber wie viele Schweine leben in Dänemark? Was schätzt Du? Lass es mich in einem Kommentar wissen!
Ok, genug Schweinerei für heute. Vi ses!
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