In der Nacht auf den 24. Juni, den Tag der Sommersonnenwende, habe ich dieses Bild der "weißen Nacht" gemacht. Der klare Himmel lässt die Sterne am Firmament erkennen. (Foto: Andreas Lerg)
Erleben

Weiße Nächte am Ringkøbing Fjord

In diesem Jahr waren wir seit langem mal wieder im Sommer in Dänemark, um Urlaub zu machen und uns nicht zuletzt auch von einem stressigen „Jahr voller Corona“ zu erholen. Konkret waren wir vom 19. Juni bis zum 3. Juli in einem sehr schön in einer Dünenlandschaft gelegenen Ferienhaus auf dem Holmsland Klit knapp zehn Kilomeer südlich von Hvide Sande. Wir hatten von dort einen wunderbaren, freien Blick auf den malerischen Ringkøbing Fjord. Und diese spezielle Jahreszeit bot uns jede Nacht einen ganz besonderen Anblick:

Die „weißen Nächte“ des Nordens

Ab Anfang Mai kannst Du in Dänemark diese „weißen Nächte“ beziehungsweise „hellen Nächte“ des Nordens erleben, denn es wird nicht vollkommen dunkel. Das Phänomen ist der Tatsache zu verdanken, dass die Sonne hier im Norden in dieser Jahreszeit nicht komplett oder nicht weit genug hinter dem Horizont versinkt. Konkret sind es ab Mai zunächst weniger als 18 Winkelgrade, die die Sonne hinter dem Horizont abtaucht. Die Sonne leuchtet, wenn man es einfach formulieren will, noch ein bisschen „über den Rand“ und es bleibt sehr lange ziemlich hell und es wird vor eben allem nicht vollkommen dunkel.

In der Nacht auf den 24. Juni, den Tag der Sommersonnenwende, habe ich dieses Bild der "weißen Nacht" gemacht. Der klare Himmel lässt die Sterne am Firmament erkennen. (Foto: Andreas Lerg)
In der Nacht auf den 24. Juni, den Tag der Sommersonnenwende, habe ich dieses Bild der „weißen Nacht“ gemacht. Der klare Himmel lässt die Sterne am Firmament erkennen. (Foto: Andreas Lerg)

Die Folge siehst Du auf diesem Bild einer solchen „weißen Nacht“, das ich dort in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni, also dem Tag der Sommersonnenwende, um 1.40 Uhr in der Nacht fotografiert habe. Es wird nicht ganz dunkel, weil der Nachthimmel nicht komplett schwarz wird, sondern eine deutliche Resthelligkeit behält. Deshalb siehst Du dann mitten in der Nacht diesen weißen bis goldenen Streifen am Horizont. Wir könnten auch sagen, dass die späte Abenddämmerung sozusagen direkt in die sehr frühe Morgendämmerung übergeht. Das Bild zeigt zudem auch die sogenannten „Eis-Wolken“ vor allem rechts von der Mitte. Das sind Wolken aus Eiskristallen in großer Höhe, die vom Sonnenlicht angestrahlt werden und deshalb nachts leuchtend sichtbar sind.

Das Phänomen hat seinen Höhepunkt genau in der Zeit, in der wir auch dort waren, nämlich um den 21. bis 24. Juni herum. Dann sinkt die Sonne nur noch so knapp (11 Winkelgrade) hinter den Horizont, dass eben dieser deutliche weiß-silbrig bis orange-goldener Streifen sichtbar bleibt und den Nachthimmel in dieses stimmungsvolle Licht taucht. Vor allem, wenn es wenig bis keine Wolken hat. Und bis beinahe 23 Uhr ist es dabei sogar noch so hell, dass Du draußen im Prinzip noch ohne künstliches Licht etwas lesen kannst. Nächtliche Spaziergänge ohne Taschenlampe sind kein Problem.

Sankt Hans

Genaus in dieser Zeit im Juni erlebst Du also die eigentlichen „weißen Nächte“. Die Dänen feiern am 23. Juni dann „Sankt Hans“ die „Midsommer-Nacht“, eines der beliebtesten Feste im Land. Die Dänen zünden dann riesige Feuer an, auf denen eine Strohhexe verbrannt wird, um böse Kräfte und Geister zu vertreiben. Dieses Sankt Hans-Fest soll aber garnicht dänischen Ursprungs sein, sondern tatsächlich Ende des 19. Jahrhunderts aus Deutschland eingewandert und adaptiert worden sein. Oft gehen dem großen Feuer noch Fackel- oder Laternenzüge voraus und Politiker oder Promis halten kurze Reden. Und es werden dabei vor allem Volkslieder gesungen, denn die Dänen lieben es, zu singen. Allen voran stimmen sie dann die „Midsommervisen“ (Mittsommeweise) von Holger Drachmann an, sobald das Feuer brennt.

Ausgerechnet in diesem Jahr, als wir „rechtzeitig“ dort waren, waren allerdings die ganzen Sankt Hans-Feiern in der Region wegen Corona leider abgesagt. Wir haben vergeblich gesucht, ob irgendwo in erträglicher Nähe ein solches Fest stattfindet. Sankt Hans ist wie schon gesagt die Nacht vor dem 24. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende. Der heißt auch“Johannistag“, woher auch der Name „Sankt Hans“, also „heiliger Johannes“ kommt. Ab diesem Tag sinkt die Sonne dann langsam aber sicher wieder tiefer hinter den Horiznt. Das Phänomen der „weißen Nächte“ nimmt wieder ab und es wird Tag für Tag wieder etwas dunkler, bis es dann ab Mitte August wieder so richtig dunkel wird.

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