Trauriger Trend zur „Massen-Versommerhausung“ in Dänemark?

Die sicher bekannteste, schönste und klassische Art, in Dänemark Urlaub zu machen, ist das „Sommerhus“, also das Sommer- oder Ferienhaus, in das man sich für eine oder mehrere Wochen einmietet. So habe ich als Kind schon Urlaube in Dänemark verbracht, so habe ich es als Jugendlicher, als Student und auch als „erwachsener“ Mensch gemacht. Über viele lange Jahre konnten wir das Häuschen von unserer „Tante Hilde“ am Lendrup Strand bei Løgstør günstig mieten. Und so tue ich es mit Freunden auch seit bald zehn Jahren immer wieder, indem wir Häuser in verschiedenen Regionen mieten. Und so tue ich es auch jetzt, in diesem Moment, in dem ich diesen Blogbeitrag schreibe. Und dieser gerade aktuelle Urlaub ist auch der Anlass für mich, diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Das ist der Lendrup Strand bei Løgstør, ein seit sicherlich 70 Jahren gewachsenes Ferienhausgebiet. Unten nahe am Strand stehen kleine Ferienhäuschen die einstmals als kleine Badehäuschen ihren Anfang nahmen. Der Rest sind große Grundstücke mit individuellen Häusern . (Foto: Google Maps)

Sommerhäuser in Dänemark sind – zumindest für mich – bisher einzelne Häuser, die meist einer Familie oder privaten Eigentümergemeinschaften gehören und in der Zeit vermietet werden, in der die Eigentümer sie selbst nicht brauchen. Diese Häuser sind individuelle Unikate und stehen auf großzügigen Grundstücken mit viel Platz und Fläche drumherum und respektvoll großem Abstand zum nächsten Nachbarn. Bisher, so meine Information, sind Ferienhaus-Siedlungen auch gesetzlich so konzipiert, dass Häuser auf großen Grundstücken stehen und es eben diesen reichlichen und respektvollen Abstand zum nächsten Sommerhuset gibt. Die Privatsphäre ist meines Wissens nach für solche Feriengebiete über bestimmte Mindestgrößen für Grundstücke in dänisches Gesetz gegossen.

Das hier ist eine typisch dänische Ferienhaus-Siedlung. Jedes Haus steht für sich auf einem großzügig bemessenen Grundstück und hat damit Platz und Privatsphäre. (Foto: Google Maps)

Gibt es einen neuen Trend zur Masse?

Doch es zeichnet sich in Dänemark ein Trend ab, den ich nicht gut finde und den ich aktuell erstmals selbst erlebe. Wir machen im Moment im Ferienhausgebiet „Nab“ bei Fåborg auf der Insel Fyn Urlaub. Wir haben dieses Ferienhaus wie auch schon in den letzten Jahren bei Novasol gebucht. Auf der Internetseite sieht das Haus schön und wohnlich aus, die Ausstattung ist gut. Sauna, Internet, Waschmaschine, voll ausgestattete Küche mit Spülmaschine. Und ein wirklich toller Blick aufs Wasser. Der Eintritt in ein nahegelegenes Schwimmbad in Svendborg ist inklusive. Man sieht auf den Fotos auf der Webseite von Novasol zwar, dass es in der Nachbarschaft weitere Häuser gibt, aber was wir erst später bei der Planung unserer Anreise auf Google Maps gesehen haben ist, wie unglaublich dicht diese Sommerhäuser nebeneinander stehen, ja fast aufeinander sitzen.

Diese Aufnahme von Google Maps zeigt, wie „press“ die Häuser hier beieinander stehen. Individuelle Grundstücke gibt es nicht, es ist einfach eine gigantische, pflegeleichte Wiese. (Foto: Google Maps)

Ich habe das heute mal grob nachgemessen. Von der Kante unseres Ferienhauses sind es jeweils 5 Meter, in Worten FÜNF Meter, bis zur Kante der beiden nächsten Häuser links und rechts. Auf diesem Gelände hier stehen knapp 50 identische Häuser in vier Reihen. Es ist also wenn man so will keine Sommerhaus-Siedlung, sondern eine aus dem Baukasten auf einen Schlag in die Wiese gestellte Reihenhaus-Siedlung.

Hier sieht Du nicht eines, sondern zwei Nachbarhäuser. Das erste ist fünf Meter weit weg, vom zweiten siehst Du das Balkongitter hervorschauen. Hier stehen also drei Häuser sehr dicht beieinander und hinter meinem Rücken steht noch das vierte.

Das Ganze ist meiner Meinung nach eine nur für den Tourismus aus dem Boden gestampfte, massengefertigte und uniforme Häusersammlung auf einer pflegeleichten gigantischen Wiese, auf der absolut nichts weiter als eben Gras wächst. 

Neben Novasol werden hier auch Häuser von Dansommer und Dancenter angeboten, was man immer an den Aufklebern an den Haustüren erkennt. Es gibt keine Abstände zwischen den Häusern und damit auch keine Privatsphäre. Abends können wir sehen, was im Nachbarhaus auf dem Fernseher läuft. Zum Glück sind wir im Dezember hier und es sind kaum Häuser belegt. Ich will nicht wissen, was hier los ist, wenn im Sommer alle diese uniformen Häuser vermietet sind. Dann, man möge mir das böse Wortspiel verzeihen, könnten sich die jeweiligen Nachbarn beim Sex zuhören oder riechen, ob jemand Blähungen hat, was es links und rechts zum Abendessen gibt und ob morgens der Kaffee fertig ist.

Die Briefkästen sind nicht jeweils am Haus, sondern alle auf einer Stellage gebündelt an der Zufahrt aufgestellt, wie man es oft in amerikanischen Filmen sieht. Dieser Anblick ist irgendwie symbolisch für das hier umgesetzte Konzept. Das ist kein typisch dänische, gemütliche und im Laufe der Jahrzehnte gewachsene „Sommerhusområde“! Das ist am Reißbrett durchgeplanter Massentourismus mit uniformen Häusern aus der Massenfertigung. 

Dieser Anblick bietet sich an der Zufahrt zu der Ferienhaus-Siedlung. Einladend sieht das nicht aus, oder?

Die Häuser sind nicht nur von außen identisch. Auch innen drin sind sie sehr ähnlich bis identisch ausgestattet. Bestimmte Arten von Möbeln, und Dekostücken. Vielleicht mal leichte Abweichungen hier und da, aber eben doch ein massenhaft reproduziertes Konzept. Auf den Fensterbänken stehen Blumentöpfe mit billigen Plastikpflanzen, die Küchen sind funktional aber herzlos eingerichtet. Herde und Kühlschränke sind nicht sauber und professionell eingebaut, sondern einfach nur irgendwie „reingestellt“.

Bei Häusern in privater Hand passiert Dir sowas nicht!

Und was man diesem Haus, in dem wir derzeit wohnen und damit sicher auch den anderen Häusern ansieht ist, dass sie eben nicht in Privatbesitz sind und eben nicht von ihren Besitzern liebevoll und individuell gepflegt, ausgestattet und in bestens Schuss gehalten werden. Wir fahren seit mittlerweile über zehn Jahren fast jedes Jahr im November oder Dezember nach Dänemark und mieten jeweils Ferienhäuser mit gehobener Ausstattung. Aber in diesem Haus hatten wir zum aller ersten mal – ich sage es wie es ist und zeige es in den Bildern  – massive Pissflecken auf Matratzen und Matratzenschonern in einigen der Betten. 

So etwas würde Dir in einem Sommerhuset in Privatbesitz meiner Meinung nach nie passieren. Diese Häuser hier aber sind „Agenturware“, durch die dann eben auch nur der Servicemitarbeiter der Agentur schnell durchhuscht, nachdem ein Mieter abgereist ist.

Ich habe gelesen, dass solche „Massen-Versommerhausungen“ auch in anderen Regionen Dänemarks entstehen. Dänemark wird als Touristenziel immer beliebter. Nachdem es in manchen fernen Ländern, die früher beliebte Reiseziele waren, politisch oder aus anderen Gründen immer problematischer wird, besinnen sich die Menschen in Europa wieder mehr auf nahegelegene europäische Ziele, habe ich irgendwo gelesen. Und die Länder wie eben auch Dänemark reagieren darauf und bauen entsprechende Kapazitäten aus. 

Fazit: Bitte nicht so

Aber ganz ehrlich: Bitte nicht so. Bitte nicht solche anonymen und sterilen Baukastenhäuser aus der Massenproduktion im 50er-Pack auf gruselig engstem Raum. Das ist für mich kein Urlaub im Sommerhuset. Das ist „Massentourismus in der Ferienanlage“. 

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Nicht missverstehen, das Haus selbst ist, abgesehen von den beschriebenen Dingen und Reinigungsmängeln, durchaus in Ordnung. Es gibt vier Schlafzimmer, zwei Bäder und zwei Wohnzimmer. Die Sauna ist groß und funktioniert brauchbar. Das Internet kommt rasend schnell per Glasfaseranschluss ins Haus und die Region Süd-Fynen ist wunderschön. Doch es ist Dezember und von den knapp 50 Häusern sind derzeit nur drei oder vier belegt. Wir haben deshalb also trotz der erschreckenden „Packungsdichte“ der Häuser tatsächlich unsere Ruhe. Aber ich will nicht erleben, wie es hier ist, wenn im Sommer alle oder die meisten Häuser belegt und belebt sind. Wenn man die Nachbarn dann wirklich beim ***** hören kann … muss …