Danish Dynamite – Volbeat rocken die Festhalle in Frankfurt

Am Donnerstag, 7. November, spielte Volbeat, die dänische Rockband aus Kopenhagen, ein fantastisches Konzert in der altehrwürdigen Frankfurter Festhalle. Um 18:30 Uhr hatten zunächst die kanadische Garage-Blues-Rockband Danko Jones die etwa undankbare Aufgabe, die noch halb leere Halle anzuwärmen. Danko Jones ist absolut kein unbekannter sondern ebenfalls eine Größe im Rock-Business und das er mit seiner Band für 30 Minuten den Anheizer für ein Konzert von Volbeat gibt, zeigt, welchen Stellenwert sich die Kopenhagener Rockband mittlerweile seit ihrer Gründung im Jahr 2001 erspielt hat.

Mit Baroness kam als zweite Vorgruppe dann um 19:15 Uhr Progressiv-Metal aus den USA zu Gehör, während sich die Halle langsam füllte. In der vierköpfige Band spielt mit Gitarristin Gina Gleason die einzigen Frau auf der Bühne. Warum jemand respektloses bei einer Vorband einen halbvollen Bierbecher auf die Bühne wirft, muss man nicht verstehen. Zu Beginn der Umbaupause flog ein weiterer Becher, während sich die ausverkaufte Frankfurter Festhalle dann vollends füllte.

Die Halle füllt sich in der Umbaupause nach den beiden Vorgruppen Danko Jones und Baroness

Mit „Leviathan“ als Opener – erstmals auf der Tour – entfesselten die vier Dänen dann ab kurz vor 21 Uhr ein energiegeladenes Rock und Rock `n Roll-Spektakel auf der Bühne. Apropos Bühne, die ist mit modernster Projektionstechnik opulent gestaltet. Acht lange Videopanelen wurden auf der Vorderseite der Bühne zu einer gigantischen Leinwand zusammengefahren und zeigen, was die zahlreichen Kameras vor und auf der Bühne von den Musikern in Szene setzen. Im Laufe der Show wandern die Panelen einzeln nach hinten, um sich dort abermals zu einer großen Projektionsfläche zusammen zu finden. Die Livebilder werden dabei immer wieder mit Videoeffekten oder Szenen aus den Musikvideos gemischt. Die weiteren wohl dosierten Effekte sind Nebelkanonen und ein Konfetti-Regen. 

Das jüngste Album „Rewind, Replay, Rebound“ wurde ja hier und dort als zu kommerziell, soft und eingängig bewertet und viele Fans vermissen die Härte der früheren und älteren Alben. Live und mit Druck gespielt machen auch die Stücke Spaß und die Band um Frontman Michael Poulsen macht nicht den Fehler, die neuen Stücke zu sehr in der Vordergrund zu rücken. Statt dessen ist die Setlist eine sehr wohl geratene Mischung aus allem, was Volbeat im Laufe der Entwicklung ausgemacht hat.

Und mit „Lola Montez“ als zweitem Stück haben die vier dänischen Rock ´n Roller dann die Halle und ihr Fans endgültig entfacht und in der Hand. Die Abmischung des Sounds in der Halle legt die Betonung auf Michael Poulsens Stimme, ohne dass die Instrumente dabei unterrepräsentiert werden. Manchmal hätte man sich vielleicht einen etwas saubereren und differenzierteren Sound gewünscht, aber ein so hoch komplexes Gebäude Frankfurter Festhalle abzumischen ist schwierig, was ich auch schon bei anderen Konzerten in der Halle erlebt habe. Aber im Prinzip gibt es keinen Grund zu meckern, die Show ist für Augen und Ohren fantastisch und absolut gelungen. Das Sänger Poulsen, der stets auch Gitarre spielt, kein Mikrofon herumschleppen kann liegt auf der Hand. Statt ihm ein Kopfbügelmikrofon auf die Ohren zu klemmen, sind auf der Bühne und dem ins Publikum ragenden Laufsteg einfach ausreichen Mikros auf Ständern verteilt. Das funktioniert bestens und bietet dem Frontman genug Bewegungsspielraum, um auch mit dem Publikum zu interagieren.

Und dann singt das Publikum ein Solo, denn es bringt Gitarristen Rob Caggiano, der am 7. November 1976 in der Bronx in New York geboren wurde, ein Geburtstagsständchen. Das Volbeat auch mit ruhigen und balladenhaften Stücken zu überzeugen weiß, hörte man „When we were Kids“ an.

Elvis Rock at its best

Volbeats Musikstil wird gerne als „Elvis-Rock“ bezeichnet. Das hat mehrere gute Gründe. Zum einen ist es Michael Poulsons Stimme, die einen gewissen Elvis-haften Schmelz und Charme hat. Aber Volbeat lassen sich auch gut hörbar von der Zeit und ihren Größen wie eben Elvis Presley oder auch Johnny Cash inspirieren. So spielte die Band auch als kleine Einlage Cash‘s „Ring of Fire“ an, ein Cash-Stück, das stilistisch Pate für den sich anschließenden Song „Sad Mans Tounge“ stand. Wer sich durch de Alben oder an diesem Abend durch das grandiose Konzert von Volbeat durchhört, der entdeckt neben treibendem Hardrock eben auch Anleihen aus dem Rock ´n Roll, dem Blues oder Boogie Woogie. Und das Stück „Die to Live“ ist ein herrlicher und temporeicher Boogie-Woogie-Kracher, den Volbeat unterstützt von Piano und Saxofon zelebrierten.

In der Plattform an der Spitze des Laufsteges war eine Hebebühne eingebaut, über die die eine oder andere Überraschung auf die Bühne gebracht wurde.

Nicht fehlen durfte „For evigt“ quasi die Hymne von Volbeat, die mit dem dänischen Refrain die schönen und guten Seiten des Lebens feiert. Hier erstrahlte die Halle durch unzählige Smartphone-Lichter. Mit diesem Stück habe ich vor einigen Jahren Volbeat entdeckt und lieben gelernt. Ich war in Dänemark im Urlaub und dort lief „For evigt“ immer wieder im Radio und ich dachte „wie geil ist das denn“. Und schnell hatte ich mehr Volbeat im Ohr auf auf meiner Playlist. Ob man „For evigt“ vielleicht als eine Art innoffizielle Nationalhymne für Dänemark betrachten darf?

Ein zweites, Stück dass ich damals sehr schnell lieben lernte war „The Devils bleeding crown“ und mit dem startete Volbeat dann nach 18 Songs und frenetischem Applaus in den Zugabenblock. Den schlossen die Dänen dann nach „Let it burn“ und dem Dusty Springfield-Cover „Only want to be with you“ mit ihrem stück „Still counting“ und einem weiteren Regen aus natürlich dänisch-rot-weißem Konfetti- und Luftschlangen-Regen.

Setlist Frankfurt

Leviathan (erstmals als Opener)
Lola Montez
Pelvis on Fire
Doc Holliday
Sorry Sack of Bones
The Garden’s Tale
Sad Man’s Tongue
Black Rose
When We Were Kids
Slaytan
Dead but Rising
Fallen
Die to Live
Seal the Deal
For Evigt
Cloud 9
Lonesome Rider
Last Day Under the Sun 

Zugaben
The Devil’s Bleeding Crown
Let It Burn
I Only Want to Be With You (Cover von Dusty Springfield)
Still Counting