Dänemark – Gekommen um zu bleiben – eine Buchrezension

Rezension des Buches 
Dänemark - Gekommen um zu bleiben
von Tim Uhlemann

Ein Streifzug durch die bunte dänische Welt, Trübsinn und Langeweile haben hier keine Chance.“ So beginnt der Klappentext des Buches von Tim Uhlemann mit dem Titel „Dänemark – Gekommen um zu bleiben“, erschienen im Lau Verlag aus Reinbek. Uhlemann ist nach Dänemark ausgewandert und berichtet über seine Erfahrungen mit und in Dänemark und wie er dort angekommen ist, angenommen wurde und heimisch geworden ist. Ich habe das Buch gelesen und zwar mit großem Interesse und ebenso großem Vergnügen. Hier möchte ich meinen Eindruck von diesem Buch schildern, es also aus meiner Perspektive rezensieren.

Was sofort klar wird ist, dass Uhlemann das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben hat, dass er also seine subjektive, seine persönliche Sicht auf Dänemark und die Dänen schildert. Und das ist gut so, denn wer könnte schon einen allumfassenden, universellen und vollständigen Blick auf das Land und die Leute haben und schildern. Das gilt nicht nur für Dänemark, sondern im Prinzip für die Beschreibung aller Länder und Leute. Also, unter genau dieser Prämisse der subjektiven Perspektive ist das Buch geschrieben und unter eben dieser Prämisse sollte man es lesen.

Das gilt auch deshalb, weil Uhlemann im Prinzip nicht ganz Dänemark und die Dänen im Ganzen, sondern vor allem die Region um Hvide Sande beschreibt. Er widmet sich also Westjütland und da vor allem die Küstenregion und deren Menschen. Eben die Region, in die es ihn bei seiner Auswanderung hingezogen hat. Die Menschen dort sind anders drauf als beispielsweise die „Hauptstädter“ in Kopenhagen, die Nordjüten oder die Menschen auf der Insel Fynen, um nur drei Regionen zu nennen. Deshalb ist es gut, dass der Autor auch garnicht den Anspruch erhebt, uns „alle Dänen und ganz Dänemark“ zu erklären, sondern eben bei seiner Perspektive und seinen Erfahrungen bleibt. Der Klappentext suggeriert zwar ein Stück weit genau das, aber so ein Klappentext ist vor allem auch ein Marketinginstrument, um ein Buch zu verkaufen.


Was mir sehr gut gefallen hat ist, dass dieses Buch kein „Urlaubsbuch“ ist, es also nicht wie eine Art literarischer Reiseführer beschreibt, wie man in Dänemark Urlaub macht und damit sozusagen an der „Touristenoberfläche“ schwimmt. Uhlemann lässt den Leser tatsächlich am dänischen Alltag auch außerhalb der Saison und abseits der Strände und Touristenziele teilhaben. Und dennoch schildert er auf amüsante Weise, wie er in Dänemark Touristen erlebt, denn er arbeitet in einer Ferienhausvermietung und schildert damit quasi den „Blick von hinter dem Tresen“.


Er beschreibt auch das Leben in Familien, die Geselligkeit und Traditionen der Dänen. Aber unter anderem auch die Bürokratie, die in Dänemark gerade für Einwanderungswillige auch die eine oder andere Hürde auf die Bahn stellt. Wir werfen mit ihm einen Blick in das Schulsystem des Landes und wie anders dort das Lernen im Vergleich zu Deutschland aussieht. Wir stehen mit ihm auf dem Fußballplatz einer Amateurmannschaft und schauen ihm zu Beginn bei Aushilfsjobs wie Schweißen oder Fische von Kuttern entladen über die Schultern. Und Uhlemann macht auch deutlich, dass Dänemark nicht nur das Land ist, das viele von Postkarten und Urlaubsfotos kennen, sondern auch einen Alltag, Probleme oder auch trübe Seiten hat. Es ist eben nicht das absolute Hyggeparadies ohne jede Not und Sorgen, als das mancher träumerisch verklärte Blick oder manches Hochglanzmagazin uns unsere nördlichen Nachbarn gerne verkaufen will.

Am Anfang ergießt sich Uhlemann etwas arg und oft in ziselierten Wortschnörkeln und manchmal fast albernen Sprachspielereien. Ob man hier eine gewisse Selbstverliebtheit in die eigene Sprache und Autorenschaft vermuten darf? Es sei ihm gegönnt. Auf jeden Fall ist durchgängig ein eigener Stil und eine persönliche Note erkennbar. Das Buch ist kein langweiliges Sachbuch und das ist gut so. Die Wortakrobatik nimmt bald etwas, aber zum Glück nicht ganz ab und macht den Blick auf den angenehmen Erzählstil Uhlemanns frei. Das Buch lässt sich angenehm und kurzweilig lesen. Kein Kapitel hat unnötig breitgewalzte Längen, es werden keine „Seiten geschunden“. Wenn etwas fertig erzählt ist, ist es fertig und es geht mit dem nächsten Thema weiter.

Fazit: Uhlemann wirft in seinem Buch „Dänemark – Gekommen um zu bleiben“ quasi durch seine eigene Brille einen Blick auf sein Dänemark und die Menschen in Westjütland. Er zeigt uns durchaus vieles, was typisch dänisch ist, vom beliebten Kaffeetrinken angefangen bis zu dem, was für Dänen Hygge bedeutet und wie man diesen Begriff wirklich interpretiert. Denn Hygge einfach mit „Gemütlichkeit“ zu übersetzen ist wahrlich viel zu kurz gesprungen. Er zeigt uns auch so manche Schrulligkeit der Dänen, aber vor allem, was dieses Land so lebens- und liebenswert macht. Wer diesen persönlichen Blick auf Dänemark schätzt, wird dieses Buch verschlingen. Wer einen allumfassenden Reiseführer mit Tipps und Sightseeing-Highligts von Nord bis Süd und Ost bis West sucht, sollte sich lieber direkt einen solchen kaufen.
Ich habe dieses Buch mit sehr großem Vergnügen gelesen und kann es jedem wärmstens empfehlen, der etwas über Land und Leute erfahren will, ohne dabei den Anspruch zu haben, alles über „ganz Dänemark“ und „alle Dänen“ zu erfahren.

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Biografie Tim Uhlemann (übernommen von Amazon)

Tim Uhlemann wurde in der grünen Hölle Oberhausen, der Blume des Reviers, vollkommen unterschätzte Idylle an der Emscher, geboren. Er studierte Sozialarbeit am bedeutenden, renommierten Campus Essen – mit Kerze, Räucherstäbchen, Lindenblütentee und Diskussionsdeckchen. Während seines Studiums gab es ein Auslandssemester in Dänemark, an der Syddansk Universität in Odense. Nach dieser Zeit schrieb er mit „Lifestyle Dänemark“ über diese Zeit und dieses lustige Volk seinen ersten Roman.
Seit 2010 lebt und arbeitet der Autor in Dänemark, 2020 folgt mit „Dänemark – gekommen, um zu bleiben“ die nächste leidenschaftlich erzählte Lektüre, die ausgezeichnet unterhält und das Herz erwärmt. Statt Huldigungen wie den Grimme-Preis, den Axel-Springer-Preis oder die Goldene Henne, bekommt er von engsten Freunden anschließend Bücher geschenkt wie: „Bücher schreiben für Anfänger“ und „Mach was aus deinem Leben“.