“Anti-Urlaub“ in Dänemark

Dieser Blogbeitrag ist ein Reisebericht, denn ich vor einer ganzen Weile für eine andere Internetseite geschrieben habe. Und dieser Artikel war quasi die „Keimzelle“ für mein Buch „Tante Hilde“ und auch dieses Blog hier. Nachdem ich diesen Text damals geschrieben hatte, entstand der Wunsch, mehr zu Dänemark zu schreiben und ein ganzes Buch daraus zu machen. Deshalb dachte ich, der Text würde gut hier ins Blog passen.

Extrem mal so, mal so

Wenn Menschen von ihrem Urlaub erzählen, dann pendeln diese Geschichten oft zwischen Extremen der einen oder anderen Art. Der Urlauber hat fremde Länder bereist und zahllose Dinge, Sehenswürdigkeiten und Kulturen gesehen, erlebt und bestaunt. Das meist gepaart mit vielen Fahrt- oder Flugstrecken vor Ort und ständigem Unterwegssein. Urlaub mit randvollem Programm eben.

Brathühnchen in der Sonne und glücklich dabei

Andere schwärmen, dass sie irgendwo „Sonne tanken“ waren. Dort vor Ort haben sie sich dann tagelang an den Strand oder den Pool gelegt, um sich in der Affenhitze braten und bräunen zu lassen. Am besten All-inklusive vom Frühstück über Schirmchendrinks bis hin zum Mitternachtssnack.

No Action no Satisfaction

Der Nächste braucht Action und macht daher „Aktivurlaub“. Da wird mit Mountainbikes auf steilsten Hängen talwärts gedownhillt. Es wird gesegelt, gesurft, geparaglidet, gewakeboardet oder gebouldert beziehungsweise geklettert. Und im Winter dann auf Skiern oder dem Snowboard hangabwärts gen Apres-Ski gewedelt. Wer abends ohne Muskelkater ins Bett geht, der hat tagsüber einfach keinen Spaß gehabt.

Bitte nicht missverstehen. Auch ich gönne mir durchaus das eine oder andere der vorgenannten Elemente. Mit einem Freund habe ich mir im Sommer 2014 so einen bildungslastigen Rundreiseurlaub durch Südamerika gegönnt. Wir haben uns unter anderem in Bolivien den „Salar de Uyuni“ und in La Paz den Hexenmarkt angeschaut. In Rio de Janeiro haben wir neben der Copacabana auch die Favela Babilonia besichtigt, die mich deutlich mehr beeindruckt hat, als der berühmte Strand, der auch nichts weiter ist als Salzwasser und Sand. Im Jahr davor waren wir in China und haben dieses faszinierende Land sehr ausführlich kennen gelernt. Und im Juli 2017 stand eine Städtereise Lissabon auf dem Programm und wir haben mit der „Electrico“ (Straßenbahn) die Stadt erkundet. In früheren Jahren waren Barcelona oder Valencia Ziele. Ok, das in der Sonne liegen und Röstaromen ansetzen ist definitiv nichts für mich und auch den Extremsport überlasse ich lieber anderen.

Anti-Urlaub – Raus aus dem Alltagsstress

Aber immer im November oder Dezember ist dann wieder einmal das angesagt, was ich gerne „Anti-Urlaub“ nenne und den ich mir meist mit Freunden kurz vor Jahresende gönne. Die Grundidee: Irgendwo hinfahren, wo es gemütlich ist und wir unsere absolute Ruhe haben. Wir fahren dafür immer – na wohin wohl – nach Dänemark an den Limfjord. An dessen Ostküste mieten wir uns bei Løgstør ein gut bis luxuriös ausgestattetes Ferienhaus. Und dort machen wir dann: Nichts! Wenn ich das anderen, beispielsweise Kollegen auf der Arbeit oder Bekannten, erzähle, sagen die: „Aber da ist doch dann gar nichts los. Das ist doch total langweilig!“ Und ich antworte: „Ja. Ganz genau. Und deshalb machen wir das ja.“ Wie gesagt, wir machen im Prinzip fast nichts.

Das Kanal-Museum in Løgstør. (Foto: Andreas Lerg)

Einfach in den Tag hinein leben

Nichts bedeutet in diesem Fall, dass es keine Pläne, kein durchgetaktetes Programm und keine abzuarbeitenden Attraktionen gibt. Kein Wecker klingelt, weil man irgendwann wegen irgendwas irgendwomit irgendwohin muss. Es wird geschlafen, bis Du wach wirst und nicht mehr einschläfst. Dann ganz in Ruhe gemütlich frühstücken und danach in den Tag hinein leben. Ich nehme mir immer mehrere Bücher mit und verbringe viel Zeit mit Lesen. Ab und zu mal ein paar Holzscheite im Kaminofen nachlegen. Eine Tasse Kaffee oder Tee dazu. Zwischendurch mal ein Schläfchen oder vielleicht mal spazieren gehen.

Und natürlich dürfen auch die Saunagänge nicht fehlen, denn wir mieten immer, wie schon erwähnt, ein Ferienhaus mit Sauna. Nach dem Schwitzen frisch abgeduscht im Bademantel mit einem leckeren Øl (Bier) auf der Terrasse stehen und den Blick über den leise rauschenden Limfjord schweifen lassen ist sogar bei kühlem Wind oder leichtem Nieselregen wunderschön entspannend.

Abends machen wir meist was recht banales. Wir schauen Fernsehen, ganz platt mit einem Bierchen und einer Schüssel Chips. Dänische Ferienhäuser sind heute mit Satellitenschüsseln ausgestattet, sodass auch deutsche Sender zur Verfügung stehen. Und läuft mal nichts in der Glotze, dann sorgt der mitgebrachte Stapel Bücher wieder für Kurzweil.

Ab ins Spaßbad

Ab und zu bietet sich der Besuch eines Schwimmbades an. Wir gehen dann ins Dayz Rønbjerg Feriecenter. Das ist eine Ferienanlage ähnlich wie ein Center Park. Mit dem Auto sind das keine zehn Minuten weg vom Lendrup-Strand. Dort gibt es ein großes Spaßbad mit Wellenbad, Rutschen, Wärmebecken, Whirlpool, Außenbecken und Sauna. Leider sieht man diesem Bad mittlerweile sein Alter deutlich an, denn in die Pflege wird wohl nicht viel investiert und an Modernisierung denkt der Betreiber wohl derzeit nicht. Unserem Anspruch genügt das Bad aber, zumal es das einzige weit und breit ist. Die Eintrittspreise sind moderat. Dafür ist in dem Feriencenter ein neues riesiges Kinderparadies mit Klettergerüsten, Rutschen und mehr entstanden. Es gibt eine Sporthalle, Squashhallen und einen Tennisplatz.

Der Hafen in Løgstør ist auch im Winter wunderbar für einen Spaziergang geeignet! (Foto: Andreas Lerg)

Kochen und Essen mit Ruhe und Zeit

Was ich bei dieser „Auszeit in Dänemark“ ganz besonders genieße, ist, in Ruhe etwas Schönes zu kochen und dann auch in Ruhe zu essen. Viel zu oft haut man sich im Berufsalltag eilig in der Kantine etwas „zwischen die Zähne“, bevor man zum nächsten Termin hechelt.

Da oben in Dänemark gibt es in der Nähe der Ferienhaussiedlung Lendrup Huset in Rønbjerg einen kleinen Hafen mit einem winzigen Fischladen. Der bietet fangfrisch an, was der Limfjord so hergibt und auch andere Fischspezialitäten bietet er feil oder kann sie mit ein bis zwei Tagen Vorlauf besorgen. Der Mann spricht brauchbar Deutsch und hat auch den einen oder anderen Tipp für die Zubereitung seiner Produkte parat. Ein schönes großes Lachsfilet abends im Ofen gegart, herrlich.

Die Supermärkte haben in der Regel auch an Wochenenden inklusive sonntags geöffnet, sodass immer frisch eingekauft werden kann. Die Zeiten, in denen in Dänemark alles eklatant teurer war als bei uns, sind vorbei. Trotzdem sind Lebensmittel noch etwas teurer als bei uns. Dafür sind beispielsweise dänischen Molkereiprodukte wie Sahne oder Joghurt um Welten besser und leckerer, als das, was bei uns in den Supermärkten feil geboten wird. 

Aalborg ist auch im Winter einen Besuch wert

Natürlich wäre es übertrieben, wenn ich behaupten würde, dass wir wirklich gar nichts machen. Gerade in der dänischen Jule-Zeit, der Vorweihnachtszeit, gibt es in vielen Städten schöne Weihnachtsmärkte. Die dänische Stadt Aalborg, die vom Lendrup-Strand rund 60 Kilometer entfernt ist, ist bei uns dann immer das Ziel. Sie ist auch im Winter einen Besuch wert. Vor ein paar Jahren waren wir in einem Ferienhaus in Bratten Strand in der Nähe von Frederikshavn. Auch das ist eine sehr schöne Stadt mit Weihnachtsflair. 

Aalborg ist die viertgrößte Stadt Dänemarks und die Fahrt dorthin vom Lendrup-Strand dauert etwa 40 Minuten. Schon die Fahrt dorthin am Limfjord entlang ist sehr schön und malerisch. Die Innenstadt bietet viele Möglichkeiten zum Einkaufen und zahlreiche sehr gemütliche Restaurants locken für leckere Pausen und die schon beschriebene Frokost.

Wir besuchen im Dezember dort gerne den Weihnachtsmarkt. Mitten in der Stadt ist zudem eine Große Eisfläche zum Schlittschuhlaufen aufgebaut, auf der viele Jugendliche nachmittags die Zeit verbringen. Dänemark ist für besonders tolle Möbel und Wohn-Accessoires bekannt. Hier wird der Interessent in den Geschäften der Innenstadt und vor allem auch am Stadtrand in mehreren Möbelhäusern und Fachgeschäften fündig. Ähnliches gilt für andere dänische Großstädte.

Wer sich für das Thema Seefahrt und Marine interessiert, der darf sich das Aalborg Søfarts– og Marinemuseum – also das Seefahrts- und Marinemuseum nicht entgehen lassen. Dort kann man unter anderem ein Uboot und ein Schnellboot besichtigen und viel über die dänische Seefahrt lernen.

Sonnenuntergang im Dezember am Limfjord. (Foto: Andreas Lerg)

Warum ausgerechnet im Herbst oder Winter?

Das werden ich, wie schon erwähnt, sehr oft gefragt, und zwar mit dem Hinweis: „Da ist dann doch das Wetter mies, kalt und nass. Und da ist dann auch nichts los.“ Wie ebenfalls schon gesagt: Stimmt! Aber uns geht es dabei ja nicht um das Braten in der Sonne bis zum Sonnenbrand. Es geht uns um all das, was ich beschrieben habe. Aber Dänemark hat im Spätjahr gerade für so einen „Anti-Urlaub“ mehrere auch ganz pragmatische Vorteile:

1. Die Ferienhäuser sind unglaublich günstig. Sie kosten oft nur ein Viertel oder Drittel dessen, was in der Hauptsaison fällig ist. Bestens ausgestattete Häuser mit allem Komfort inklusive Sauna sind meist für 400 Euro oder weniger pro Woche zu haben. Unser Lieblingshaus am Lendrup-Strand beispielsweise kostet im Dezember 440 Euro in der Woche. Im Juli und August, der Hauptsaison, kostet es 1499 Euro pro Woche.

2. Außerhalb der Haupt- und Nachsaison ist auch touristisch sehr wenig los. Man hat also tatsächlich auch in dieser Hinsicht seine Ruhe. Keine überlaufenen Ferienhaussiedlungen, Märkte, Strände und kaum Verkehr auf den Straßen.

3. In Dänemark hat man in dieser Jahreszeit das Gefühl, als drehe sich alles etwas langsamer und entspannter.

Um genau dieses „nichts los“ geht es uns. Ruhe und nichts vor haben, plan- und zeitlos das tun, was man sonst fast nie kann: Einfach in den Tag hinein leben und mal vom Alltagsstress richtig runter kommen. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber es tut unglaublich gut und entspannt.